Allein unter Männern Frauen auf See
Etwa zehn Prozent aller Auszubildenden in den Seefahrtsberufen sind Frauen, Kapitäninnen gibt es in Deutschland gerade mal fünf.
Die Schiffsmechanikerinnen im dritten Lehrjahr gehen in Hamburg an Bord für ihre letzte Ausbildungsreise: in sechs Wochen nach Südamerika und zurück. Gleich zu Beginn ihres Dienstes haben sie es mit einer der üblichen Bemerkungen zu tun: ob sie denn wirklich sicher seien mit ihrer Berufswahl. Die meisten Kollegen an Bord begegnen den beiden jungen Frauen mit Skepsis und Zurückhaltung. "Die glauben nicht, dass wir wirklich arbeiten wollen so wie sie selbst auch", sagt Wiebke Klawon, die oft Mühe hat, sich als kleine zierliche Person zu beweisen. "Man muss sich eben durchkämpfen". Und tatsächlich: Die Ausbilder bescheinigen ihr und ihrer Kollegin mehr Biss, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit als den meisten jungen Männern.
Etwas leichter haben es da die beiden Nautikstudentinnen Anne Waldmann und Hilke Rönnfeld. Sie genießen an Bord gemeinsam mit sechs Studenten noch einen Schutzraum, in einer Art "schwimmenden Klassenzimmer", mit eigenem Ausbilder und eigenen Diensten. Insgesamt sechs Monate werden sie an Bord eines Schwergutfrachters rund um den Globus reisen. Es ist ihr erstes Praxissemester im Rahmen des Studiums zum Nautischen Offizier. "Wenn man so lange auf einem Schiff zusammenlebt, dann muss man schon aufpassen, dass man zur Mannschaft Distanz wahrt". Mehr möchte Anne Waldmann nicht zu dem Thema sagen. Das übernimmt dann ihr Vorgesetzter: "Nach sechs Wochen auf See sieht jede Frau wie eine Schönheitskönigin aus".
SPIEGEL-TV-Autorin Beate Schwarz hat die vier jungen Frauen an ihrem ungewöhnlichen Ausbildungsplatz auf See mit einem Kamerateam begleitet: an Bord eines Containerschiffes in Südamerika und auf einem Schwergutfrachter in Norwegen.