Hamburgs neue Seefahrtsausstellung Der Admiral und seine Modelle
Die unschätzbaren Werte sind ab dem 25. Juni 2008 im Internationalen Maritimen Museum Hamburg zu sehen. Doch der neue Museumsdirektor ist umstritten. Hamburger Künstler kämpfen gegen Peter Tamm, der sich vom Schifffahrtsredakteur beim Hamburger Abendblatt zum alleinigen Vorstand des Springer-Verlags hochgearbeitet hatte. Man nannte ihn den "Admiral". Die Linken sahen in den siebziger Jahren in ihm ein Feindbild und potentielles Anschlagsziel.
Seine Gegner heute kritisieren, dass die Stadt dem Konservativen 30 Millionen Euro für das Museum zur Verfügung stellte, ohne über eine ideologische Kontrollinstanz zu verfügen. Doch der Grossteil der Summe floss in den Umbau des ältesten Gebäudes der Speicherstadt. Der sogenannte "Kaispeicher A" gehört noch immer der Hansestadt Hamburg und wurde auf 99 Jahre an die Tamm-Stiftung verpachtet.
Merkwürdig ist, dass die Tamm-Gegner auch von der Kulturbehörde finanziell unterstützt werden. Ein Amt bekämpft sich selbst.
Die Ausstellungseröffnung mit dem Bundespräsidenten Horst Köhler werden die Künstler nicht verhindern können. Fieberhaft arbeitet die Museums-Crew seit Monaten auf zehn Böden und über 10.000 Quadratmetern daran, der Sammel-Leidenschaft des Peter Tamm einen historischen Rahmen zu geben. Getreu dem Tamm-Motto "Seefahrtsgeschichte ist Menschheitsgeschichte" wird die 3000-jährige Entwicklung der Seefahrt anhand eines Zeitstrahls gezeigt. Viele Ausstellungsstücke sind hinzugekommen: Wie zum Beispiel ein riesiges Modell der Blohm und Voss Werft "Elbe 17" mit der Queen Mary II darin - gebaut aus 1.000.000 Legosteinen. Nur knapp passt das Schiffsmodell in die Werftanlage, wie die echte QM II auch.
SPIEGEL-TV-Autorin Christina Pohl hat die Arbeiten am Museum über eine halbes Jahr begleitet. Der Modellbauer Günther Strepp zeigte die Arbeiten an dem Leuchtturmmodell "Roter Sand", das er liebevoll bis ins letzte Detail in seinem Keller konstruierte. Wenige Wochen später starb er. Sein Seezeichen hinterlässt er dem Museum.
Das SPIEGEL-TV-Team war auch dabei, als Peter Tamm Abschied nahm von seinem Haus in der Elbchaussee, wo er seine Privatsammlung untergebracht hatte. Bis zuletzt wurde dort sein erstes Modell aufbewahrt, ein Küstenfrachter, den seine Mutter ihm schenkte als er sieben Jahre alt war. Persönlich wollte er das winzige Schiff im Maßstab 1:1.250 ins neue Museum bringen ein symbolischer Akt: Vom Sammler ist er mit 80 Jahren zum Museumsdirektor geworden.
Ein Leben voller Schiffe.