Kurz nach fünf vor zwölf: Chronik einer Insolvenz - DER SPIEGEL
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Kurz nach fünf vor zwölf Chronik einer Insolvenz

Am Aschermittwoch ist alles vorbei: Zum letzten mal fährt Birgit Fennen mit der Straßenbahn zur Arbeit, stempelt und wickelt sich und das Geschäft, in dem sie 31 Jahre als Verkäuferin gearbeitet hat, mit ab. Es ist unwiderruflich ihr letzter Arbeitstag bei der Modehauskette SinnLeffers.
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1300 Kollegen müssen mit Birgit Fennen gehen. Von 47 Filialen werden 22 unter Tränen geschlossen, 25 sollen überleben. Das Traditionsunternehmen SinnLeffers hat Insolvenz angemeldet.

Doch es ist kein Großkonzern, der liquidiert wird. SinnLeffers-Eigentümer Peter Zühlsdorf hat sich in den Kopf gesetzt, sein Unternehmen durch die Insolvenz zu sanieren. Der Unternehmer hatte SinnLeffers aus der Karstadt-Gruppe ausgelöst, wohlwissend, dass es dem Modefilialisten nicht gut geht. Schon früh holte er den Sanierungsexperten Detlef Specovius ins Haus. Under cover lotete der Insolvenzfachmann mit seinem Team die Schwachstellen in der Firma aus. Dann ging er in die Geschäftsführung und handelte.

Ein sogenanntes Insolvenzplanverfahren wurde bei Gericht beantragt, eine Besonderheit des neuen Gesetzes. Die Geschäftsführung blieb im Amt und mit Detlef Specovius als Eigenverwalter autark. Hinzu kam der vom Gericht bestellte Sachwalter, der Düsseldorfer Insolvenzanwalt Horst Piepenburg. Es galt, 3921 Gläubiger zu überzeugen, dem Insolvenzplan zuzustimmen. Und mindestens einer schießt immer dazwischen.

SPIEGEL-TV-Autorin Christina Pohl hat den Prozess begleitet, die Höhen und Tiefen mit dem Kamerateam beobachtet, war in Lenkungsausschüssen, Gläubigerversammlungen und bei der Schließung einer Filiale dabei. 20, 30, sogar 40 Jahre hatten die Fachverkäuferinnen dem Unternehmen treu gedient. Die Kragenweite ihrer Kunden konnten sie auf 50 Meter bestimmen, die meisten kannten sie mit Namen. Das Haus in Witten war ihr zweites Zuhause.

"SinnLeffers - Ich habe fertig" hatten die Verkäuferinnen sich auf T-Shirts drucken lassen für das Abschiedsritual, dem Abschließen der Eingangstür am letzten Tag. Sie alle mussten ein großes Opfer bringen, damit 2700 Kollegen weiter hoffen können.