Gefallene Mädchen: Leben im Jugendheim - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Gefallene Mädchen Leben im Jugendheim

Sie prügeln, randalieren, klauen, nehmen Drogen, gehen nicht zur Schule: Gewaltbereite junge Frauen stehen ihren männlichen Altersgenossen in nichts nach - und verhalten sich doch ganz anders.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als die Polizei Melanie, 15, ins Heim brachte, hatte sie kurz zuvor versucht, ihre Mutter im Drogenrausch zu erwürgen. Jetzt ist sie ein Jahr clean. Jasmin, 17, hat sich im Alter von 12 Jahren selbst einweisen lassen, weil sie die Schläge und Demütigungen des Vaters nicht mehr aushielt. Sabrina, 14, ist bei ihrer alkoholkranken Mutter im Heim aufgewachsen. In Gauting soll sie endlich ihren erweiterten Hauptschulabschluss schaffen.

Eines haben sie alle gemeinsam: Wenn es schwierig wird, laufen sie weg. Drei von 54 Mädchenschicksalen, die im Mädchenheim Gauting, einem Vorort Münchens, untergebracht sind. Eins von bundesweit drei geschlossenen Heimen, die sich auf die Arbeit mit Mädchen spezialisiert haben.

Zwischen ein und drei Jahren verbringen die jungen Frauen in der therapeutischen Jugendhilfeeinrichtung der Caritas. Hier sollen sie lernen, ihre Angst und ihre Wut nicht mehr an sich selbst und anderen auszulassen. Ihr auffälliges Verhalten hat unterschiedliche Gründe: Einsamkeit, Vernachlässigung, Verwahrlosung und massive Gewalterfahrungen.

In der angeschlossenen Schule sollen sie ihre Schulabschlüsse nachholen. Viele sind schon seit Monaten nicht mehr zum Unterricht erschienen. SPIEGEL TV portraitiert die Höhen und Tiefen des Heimalltags in der therapeutischen Jugendhilfeeinrichtung und begleitet sechs Mädchen auf dem Weg, ihr Leben in den Griff zu bekommen.