Lebendig verladen: Tierkontrolle am Flughafen, Teil 3 - DER SPIEGEL
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Lebendig verladen Tierkontrolle am Flughafen, Teil 3

Sorgenvoll blickt Klaus Schmitt auf ein Dutzend Plastiktüten voller Wasser, in denen kleine Seepferdchen scheinbar regungslos vor sich hintreiben. Die Fische kommen per Flugzeug aus Vietnam und sind bestimmt für deutsche Aquarienhändler.
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Doch daraus wird vorerst nichts. Die Tiere wirken apathisch, sind vielleicht sogar tot. "Vielleicht war es denen im Frachtraum zu kalt " mutmaßt der Veterinär.

Auch zwei russische Hunde, im Quarantäneraum nebenan, sind völlig untergekühlt. Um sie am Leben zu halten, werden die Welpen mit Heizlampen bestrahlt. Beide Chihuahuas zittern und können sich vor Schwäche kaum auf den Beinen halten. Eine Frau wollte die Vierbeiner ohne Papiere über die Grenze bringen, im Handgepäck. Kaum vier Wochen alt und von der Mutter getrennt, scheinen die Winzlinge ihren Reisestrapazen zu erliegen.

110 Millionen Tiere passieren am Frankfurter Mainflughafen jährlich die sogenannte "Animal Lounge". Ein Untersuchungs- und Unterbringungsgebäude, so groß wie ein halbes Fußballfeld. Veterinäre des Landes Hessen prüfen hier, ob es den Lebewesen gut geht und die Transportverpackungen artgereicht sind. Egal ob Einfuhr, Durchfuhr oder Export: Alle Sendungen werden stichprobenweise kontrolliert.

Zwischen den Anschlussflügen bleibt den Mitarbeitern dafür manchmal nur eine halbe Stunde Zeit. Monatlich müssen über 30.000 Bienen, 57.000 Reptilien und sogar 54.000 Angelwürmer durch die gesetzlich vorgeschriebene Grenzbeschau.

Fische, denen es schlecht geht, bekommen Sauerstoff; dehydrierte Hunde erhalten Infusionen; zu eng verpackte Schildkröten werden "umgetopft". Verendet ein Tier, suchen Experten zunächst nach der Todesursache und später nach den Verantwortlichen.

Besonders groß ist die Angst vor Seuchen. Gesundheitsdokumente müssen daher vollständig sein und im Original vorliegen. Aus fernen Ländern drohen Vogelgrippe und Schweinepest. Kritische Fälle begutachten Amtsmediziner in Kammern mit Unterdruck. Unter keinen Umständen dürfen Krankheitserreger entweichen. Die Folgen für Deutschland und Europa könnten sonst verheerend sein.

Mehre Wochen verbrachte SPIEGEL-TV-Autor Markus Grün im weltweit größten Zwischenlager für reisende Tiere. Noch nie durfte ein Journalist die Arbeit der Veterinäre so umfassend begleiten. Das Hessische Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erteilte für die Dreharbeiten eine bislang einmalige Ausnahmegenehmigung.