Sport ist kein Mord Polizeibewerber im Fitness-Test (Teil 2)
Bewerber, die ihren Körper im Griff haben
Foto: SPIEGEL TVÜber ihr hängt, in 2,5 Meter Höhe, ein Gummilappen an einem Basketballkorb. Doch den kann die mittelgroße Frau auch im dritten Versuch mit ihrer Sprungkraft nicht erreichen. Zuvor war sie bereits 35 Meter gesprintet, hatte per Seil einen fast zwei Meter hohen Sprungtisch erklommen und konnte problemlos mit dem Medizinball über eine umgedrehten Turnbank balancieren. Der gesamte Hindernisparcours muss in 2,05 Minuten bewältig werden.
Mit jedem verpatzten Hochsprung verliert Cynthia nun wertvolle Zeit. Noch einmal läuft die Bewerberin an und katapultiert sich mit kräftigem Armschwung nach oben. Nur wenige Zentimeter trennen sie von einem Studienplatz ...
Gut ein Drittel aller Polizeibewerber scheiden in Bremen beim Sporttest aus. Bei den weiblichen Kandidaten sind es sogar fast 50 Prozent. Außer im Hochsprung versagen sie regelmäßig beim Bankdrücken und dem Weitsprung. Mit Übermut bringen sich dagegen häufig junge Männer in Bedrängnis. Durch Flüchtigkeitsfehler verlieren sie die Nerven.
Wer nur bei einer einzigen Übung versagt, scheidet sofort aus
Nur wer im Test Fitness zeigt, hat eine realistische Chance, die Polizeiausbildung später zu meistern. Der Schutzmann von heute muss Allroundsportler sein, so Walter Krause, Einstellungsberater in Bremen. Bei einer Verfolgungsjagd muss er in der Lage sein, über eine Mauer zu springen, oder auf ein Garagendach zu klettern, um den flüchtigen Täter, notfalls mit Gewalt, niederzustrecken.
Auch bei der Polizei im Saarland will man nur noch Bewerber ausbilden, die ihren Körper bereits im Griff haben. In 9 unterschiedlichen Disziplinen werden Koordination, Orientierungsfähigkeit, Ausdauer, Schnellkraft, Beweglichkeit und Gewandtheit getestet. Wer nur bei einer einzigen Übung versagt, scheidet sofort aus dem gesamten Prüfungsverfahren aus.
Trotzdem erscheinen immer wieder Männer in der Turnhalle, die am Hochreck keinen einzigen Klimmzug schaffen, oder Frauen, die schon bei der Hockwende über einen 90 cm hohen Kasten straucheln.
Für 1100 Bewerber gibt es im Saarland 115 Ausbildungsplätze. Auch in Bremen sind es 115 Stellen, jedoch für 2600 Kandidaten. Das dreijährige Studium zum Polizeikommissar beginnt im Herbst, und nur die größten Talente werden genommen.
SPIEGEL-TV-Autor Markus Grün durfte das schweißtreibende Selektionsverfahren an den entscheidenden Prüfungstagen begleiteten. In keinem anderen Bundesland ist der Sporttest härter als an Weser und Saar.