Klingeln ist die halbe Miete: Schuldenberater auf Hausbesuch, Teil 1 - DER SPIEGEL
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Klingeln ist die halbe Miete Schuldenberater auf Hausbesuch, Teil 1

Olaf Littmann lauscht an der Wohnungstür. Der Schuldenberater will vor Ort die Miete kassieren. Eine Hausbewohnerin zahlt seit Monaten nicht. Noch einmal drückt Littman die Schelle und beobachtet den Türspion.
Laufender Stromzähler: "Machen Sie bitte auf!"
Laufender Stromzähler: "Machen Sie bitte auf!"

Laufender Stromzähler: "Machen Sie bitte auf!"

Foto: MICHAEL PROBST/ AP
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Seine Kollegin Edith Fuß hat unterdessen den Elektrizitätszähler gefunden. Das kleine Rädchen dreht sich. "Da verbraucht jemand Strom in der Wohnung", folgert die Mitarbeiterin. Jetzt brüllt Littman quer durchs Treppenhaus: "Machen Sie bitte auf, Sie haben Schulden, hohe Schulden"! Als dennoch niemand reagiert, lüftet Fuß die Briefkastenklappe. Keine Post und Reklame, die Box wurde scheinbar erst vor kurzem entleert. Alles deutet darauf hin, dass sich die Mieterin versteckt hält. "So leicht lassen wir uns nicht abwimmeln", kommentiert Littman entschlossen, "wir kommen wieder ..."

Mindestens sechs bis sieben Schuldner besuchen Edith Fuß und Olaf Littmann täglich. Seit fast zwei Jahren treiben die Außendienstmitarbeiter für die GAG Immobilien AG Geld ein. Die beiden Angestellten von Kölns größter Wohnungsgesellschaft sind ein erfolgreiches Team. Im vergangen Jahr konnten sie fast 350.000 Euro Mietrückstände für Ihr Unternehmen flüssig machen. Zugleich wurden damit 71 fristlose Kündigungen und 32 Räumungsklagen verhindert. Denn: Wer seine Ausstände begleicht, darf in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Oft wissen zahlungsschwache Mieter dabei gar nicht, dass ihnen staatliche Hilfe zusteht. Fuß und Littmann füllen dann für die Betroffenen Anträge aus, fordern Wohngeld an, oder begleiten sie zu den Ämtern. Aktive soziale Schuldnerberatung nennt sich das neue Konzept. Trotzdem werden die Mitarbeiter nur selten mit offenen Armen empfangen.

Rund fünfhundert offene Schuldenfälle haben Edith Fuß und Olaf Littmann permanent. Damit ihre säumigen Kunden nicht vorher die Flucht ergreifen, erscheinen die Berater fast immer unangemeldet. Bei Ratenzahlern, die ihre Mietrückstände abstottern, holen sie das Geld am Monatsanfang sogar persönlich ab.

Zum ersten Mal durfte SPIEGEL-TV-Autor Markus Grün beobachten, wie das furchtlose Konzernteam zwischen Tür und Angel um jeden Euro kämpft.