Hinter den Fassaden: Hausmeister im Kölner Westend - DER SPIEGEL
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Hinter den Fassaden: Hausmeister im Kölner Westend

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Hinter den Fassaden Hausmeister im Kölner Westend

Andreas Schütze ist ein gefragter Mann. Ob defekte Klospülung, abgebrochner Wasserhahn oder verstopfter Abfluss: der Hausmeister muss es richten. Dabei dringt er in die deutsche Lebenswirklichkeit ein, wie wohl kein anderer Beruf. "Ich bin Seelsorger, Hausmeister und Sozialbetreuer in einer Person", resümiert Schütze.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei seiner ersten Reparatur an diesem Tag wird Hauswart Schütze in Unterhose empfangen. Der Mieter ist ohne Job und genehmigt sich gerade eine Flasche Bier. Vom Sofa aus delegiert der schwergewichtige Mann den Austausch einer Fensterdichtung. Schütze macht seine Arbeit und nimmt es gelassen.

Beim zweiten Einsatz wird der Hausmeister von einem angetrunkenen Rentner begrüßt. Der Mieter hat einen Wasserschaden im Bad und präsentiert im Anschluss spontan sein Wohnzimmer. Dort sitzt seine Ehefrau vor einem Glas Schnaps und hört Blasmusik, während ein weiterer Mann auf der Couch seinen Rausch ausschläft. "Die Mieter respektieren mich und ich respektiere die Mieter", kommentiert Schütze die Szenerie, ohne einen Anflug von Ironie. Dann eilt er zu einem verwahrlosten Hausbewohner, der dringend eine neue Glühbirne braucht. Immerhin, die Person ist um 13 Uhr noch nüchtern.

Andreas Schütze ist rund um die Kölner Parsevalstraße und dem Ossendorfer Weg ein gefragter Mann. Manchmal minütlich vermeldet sein Smartphone den Eingang neuer Aufträge. Egal ob defekte Klospülung, abgebrochener Wasserhahn oder verstopfter Abfluss: Schütze soll es richten und zwar schnell. Dabei hätten viele seiner Mieter in den sogenannten Y-Hochhäusern im Kölner Westend Zeit. Neben Migranten und kinderreichen Familien leben hier vor allem Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger. Durch eine mangelhafte Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel liegt die Siedlung etwas abgeschnitten, am Rande der Vorstadt. Erhöhte Fluktuation, Vandalismus und Nachbarschaftskonflikte prägen die Wohnsituation. "Ich bin Seelsorger, Hausmeister und Sozialbetreuer in einer Person", resümiert Schütze, der hier schon seit sieben Jahren Mädchen für alles ist.

Bei den täglichen Hausbesuchen steht Andreas Schütze mitten im Leben seiner Mieter und damit manchmal vor deren Abgrund. SPIEGEL-TV-Autor Markus Grün durfte den Hauswart begleiten und damit einen Blick hinter die Fassaden werfen.