Ohne Bleibe: Mietnotstand in Köln - DER SPIEGEL
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Ohne Bleibe Mietnotstand in Köln

Manfred Müller war früher ein Draufgänger und Schläger. Heute sitzt der obdachlose Hartz-IV-Empfänger auf einem Schuldenberg. "Trotzdem hat Herr Müller eine Chance verdient", meint Sabine Klein. Die Sachbearbeiterin arbeitet für Kölns größte Wohnungsgesellschaft, die sich auch sozial engagiert. Daher hat Klein dem alleinerziehenden Vater eine Wohnung zur Miete überlassen. Trotz schlechter Reputation und Schufa-Eintrag.
Billige Wohnung verzweifelt gesucht: Die Not trifft besonders Menschen mit geringen Einkünften
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Foto: SPIEGEL TV
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Um nicht auf der Straße zu schlafen, war Müller bislang mit seinen zwei Kindern bei einer Familie untergekrochen. Insgesamt fünf Personen hatten anderthalb Jahre lang notdürftig auf 46 Quadratmetern zusammen gehaust.

Auch bei den nächsten Bewerbern, die in Sabine Kleins Mieterbüro vorsprechen, ist die Lage dramatisch. Das junge Ehepaar wohnt bei den Schwiegereltern auf engstem Raum. Weil die Frau schwanger ist, hat sie vom Amt einen Wohnberechtigungsschein erhalten, der die Suche erleichtern soll. Doch trotz der dritthöchsten Dringlichkeitsstufe landen die verzweifelten Eheleute nur auf der Warteliste. Viel zu groß ist der Andrang von Menschen, die seit Wochen, Monaten oder sogar Jahren dringend nach einer Bleibe suchen.

Die Wohnungssituation in Köln ist unübersichtlich und scheinbar paradox. Während Tausende Bürger auf eine Unterkunft hoffen, sind schicke Neubauviertel nur mit Aufwand zu vermieten. Im städtischen Randgebiet sind Siedlungen teilweise sogar unbewohnt, weil die Behausungen zu teuer - oder nicht mehr zeitgemäß sind. Im Ballungszentrum hingegen sucht man nach bezahlbaren Ein- und Vierzimmerwohnungen wie nach der Nadel im Heuhaufen. Arbeitslose werden mit staatlichen Mitteln noch ab und zu einquartiert. Sie gelten Vermietern als verlässige Kunden. Berufstätige Kleinverdiener hingegen haben oft schon Schwierigkeiten, ein kleines Appartement zu finden. Aus Angst der Hausherrn, die Mieter könnten nicht zahlen. Wer soll das alles noch verstehen?

Mehrere Wochen beobachtete SPIEGEL-TV-Autor Markus Grün den Kölner Wohnungsmarkt. Sein Eindruck: Angebot und Nachfrage sind in der Domstadt aus dem Gleichgewicht geraten. Vor allem zum Nachteil von Menschen mit geringem Einkommen.