Weit draußen, ganz unten: Eine Sozialarbeiterin in Köln
Weit draußen, ganz unten Eine Sozialarbeiterin in Köln
Inge Stihlhoff sitzt zusammengekauert in der Sprechstunde und weint. Aus Verzweiflung, aber auch ein bisschen vor Glück. Soeben hat ihr Sozialarbeiterin Sabine Klein eine neue Wohnung zur Miete angeboten. Die Pädagogin arbeitet für Kölns größte Wohnungsgesellschaft und hilft Menschen in Notsituationen. "Erich hat Bier und zwei kleine Flaschen Jägermeister getrunken", berichtet Stilhoff vom Vortag. "Das geht nicht mehr, dass mich mein besoffener Freund auf die Straße wirft". Schon einmal wurde die 58-jährige Rheinländerin von ihrem Partner ausgesperrt und flüchtete ins Frauenhaus. Daher würde ihr Klein nun gerne eine sichere Bleibe überlassen, für günstige 316 Euro im Monat.
Die Lage jedoch ist verzwickt. Da beide Lebenspartner die bisherige Unterkunft gemietet haben, müssen auch beide den Vertrag kündigen. Erst danach kann Stilhoff eine neue Wohnung beziehen. Da sich ihr Freund jedoch gar nicht trennen möchte, wird er vermutlich auch seine Unterschrift verweigern. Bei einem Hausbesuch will Klein den arbeitslosen Trinker überzeugen. Schon am nächsten Tag wagt sie sich in die vermeintliche Höhle des Löwen.
Die Klienten stecken in ausweglosen Lebenslagen
Seit rund drei Jahren arbeitet Sabine Klein für die GAG, ein Wohnungsunternehmen, das sich auch sozial engagiert. In der Kölner Geschäftsstelle Humboldt-Gremberg hält die 46-jährige Betreuerin wöchentlich Beratungsstunden ab. Ihre Klienten stecken in ausweglosen Lebenslagen, suchen ohne viel Geld ein Dach über dem Kopf oder haben einfach nur Krach mit den Nachbarn. Nicht selten fährt die Pädagogin dann mit ihrem kleinen Dienstwagen in das Viertel mit der höchsten Arbeitslosenquote der Stadt - nach Kalk. Rund 750 Unterkünfte werden hier sogar noch ohne Heizung bewohnt. Obwohl die Behausungen dadurch sehr günstig sind, zahlen viele Bewohner trotzdem monatelang ihre Miete nicht.
Klein hilft den Betroffenen dann, Mittel bei den Ämtern zu beschaffen. Nicht selten verweigern Schuldner aber auch ganz den Kontakt. Dann droht die Zwangsräumung. Egal, ob Kinder zu viel Lärm machen, Bewohnern die Verwahrlosung droht oder Familien vor der Kündigung stehen: Wenn es in einer der 4500 Wohnungen des Bezirks Probleme gibt, ist Sabine Klein zur Stelle. Zum ersten Mal durfte SPIEGEL-TV-Autor Markus Grün mit der Kamera beobachten, für welche Mieter die einfühlsame Pädagogin Brücken baut und wem sie notfalls die kalte Schulter zeigt.