Zuflucht Waschhaus: Eine rheinische Seifenoper - DER SPIEGEL
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Zuflucht Waschhaus Eine rheinische Seifenoper

Missbilligend blickt Rosita Ages durch das Bullauge, in eine Waschtrommel. "Zu viel Schaum", stellt die 59-Jährige nüchtern fest. Damit die Gardinen nicht durch eine Überdosis Reinigungspulver verkleben, kippt sie einen Schuss Weichspüler in die Maschine. Das Pflegemittel "macht den ganzen Blubber weg", weiß auch Rosi Klein aus Erfahrung.
So schön kann waschen sein: Der Waschsalon "Freddy Leck" in Berlin
So schön kann waschen sein: Der Waschsalon "Freddy Leck" in Berlin

So schön kann waschen sein: Der Waschsalon "Freddy Leck" in Berlin

Foto: dapd
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Zusätzlich mischt die erfahrene Waschfrau nun Essigessenz und ein Päckchen Backpulver bei. "Chlor ist uns dagegen zu kriminell", kommentiert Frau Klein weiter, "das scharfe Zeug" könnte Textilfasern auflösen. Dafür rundet ein letzter Schuss Soda den Seifencocktail erst richtig ab. Zum Aufhellen und gegen Gerüche ist das Bleichmittel für die vergilbten Fenstervorhänge ideal. Auch als eine Kundin Rosita Ages ein völlig verschmutztes Kleidungsstück zum Saubermachen überlässt, hat sie ein ungewöhnliches Lösungsmittel parat: Die Expertin greift zu einer herkömmlichen Flasche Haarshampoo. Für Daunenjacken gebe es nichts Besseres...

Seit fast 45 Jahren reinigen Rosita Ages und Rosi Klein im Kölner Stadtteil Humboldt-Gremberg Kleidung für ihre Nachbarn. Schon 1967 wurde das Haus als Service-Einrichtung für Anwohner eröffnet. Noch bis heute betreibt die Wohnungsgesellschaft GAG in vielen Siedlungen der Domstadt alte Wäschereien. Die Einrichtungen werden vor allem von Hausfrauen genutzt. Sie können selber Hand anlegen oder ihre Schmutzwäsche - gegen ein Entgelt - einfach abgeben. Personal und Stammkunden kennen sich meist jahrzehntelang und fühlen sich zwischen Tümmlern und Bügeltischen besonders wohl. Auch, weil anscheinend immer weniger junge Menschen Wert auf Sauberkeit, Ordnung und eine gute Nachbarschaft legen. Stattdessen treten Mieter Türen ein, terrorisieren Mitbewohner aus Langeweile, oder sie versuchen, sich gegenseitig aus ihren Unterkünften zu ekeln. "Mittlerweile bin ich froh, dass meine Kinder nicht mehr hier wohnen", sagt eine Mutter, die ihr Bettzeug in Rositas Waschstube gerade aus dem Trockner zerrt. Doch wenigstens hier ist die Welt, bisweilen, makellos.

In dem kleinen Reinigungscenter am Hillscheider Weg scheint die Zeit stillzustehen. Gerade darum beehren viele adrette Damen Rosita Ages und Rosi Klein Woche für Woche. SPIEGEL-TV-Autor Markus Grün durfte beobachten, mit wem die Waschweiber reinen Tisch machen und welche Mieter sich in der Siedlung am Stadtrand ordentlich in die Mangel nehmen.