Prostitution Verraten und verkauft
Die Hamburger Innenbehörde spricht von rund 4000 Prostituierten in der Hansestadt, von denen etwa die Hälfte in "Modellwohnungen" arbeitet, sich also unter ständiger Kontrolle ihrer Zuhälter in einer Art permanentem Hausarrest befinden. Von insgesamt 2200 ausländischen Frauen kommen geschätzte 80 Prozent aus Osteuropa. Im Kampf gegen diese Form der "modernen Sklaverei" (Innensenator Wrocklage) wurde in einem Großverfahren seit Juni 1998 gegen neun Beschuldigte ermittelt, die insgesamt 86 Modellwohnungen in Hamburg unterhielten. 750 Polizei- und BGS-Beamte sorgten im Mai 1999 für die Vollstreckung von sieben Haftbefehlen, aus denen die Beschlagnahme von vorläufig 1,4 Millionen Mark resultierte.
Drogenhandel und Prostitution sind aufs Engste mit der Organisierten Kriminalität verwoben. Die Durchsetzung des drogenpolitischen "Handlungskonzepts St. Georg" soll die Entstehung und Verfestigung offener Drogenszenen in Hamburg verhindern. Die Rezepte sind nicht neu und rufen Kritiker von allen Seiten auf den Plan: Durch Platzverweise und kurzzeitige Ingewahrsamnahme von Dealern wird zwar eine vorübergehende räumliche Verlagerung der Szene erreicht, die Problematik jedoch bleibt die gleiche, der Hauptbahnhof nach wie vor der attraktivste Umschlagplatz für illegale "Waren" aller Art. Immerhin: Durch verstärkte Bemühungen der Polizei im Bereich "Aufenthaltsbeendigung" konnten von 1995 bis Ende letzten Jahres 455 Drogendealer abgeschoben werden.
Dass der Verkauf des eigenen Körpers noch nie ein rein frauenspezifisches Phänomen war, ist spätestens seit der Antike bekannt. Auf die Problematik der männlichen Vertreter des modernen Lustgewerbes kommt man in der Öffentlichkeit jedoch eher selten zu sprechen. Wie in vielen anderen Großstädten, ist auch in Hamburg der Hauptbahnhof Zentrum männlicher Prostitution. Allein im Stadtteil St. Georg gibt es ein halbes dutzend Kneipen und zwei Hotelbars mit Stundenzimmern, in denen Männer für Geld andere Männer kaufen.
Der Hamburger Verein "Basis-Projekt" hat sich der Stricher und ihrer Kunden in der Hansestadt angenommen und bietet neben warmem Essen, Wäschewechsel und der Vermittlung von Übernachtungsplätzen eine Fülle an Beratungsmöglichkeiten und anderen Formen der (Über-) Lebenshilfe. Über 5000 Kontakte mit Strichern und Freiern konnten von "Streetworkern" und Sozialarbeitern der Anlaufstelle im Jahr 1998 hergestellt werden. 123 Klienten nutzten das Serviceangebot der beiden Übernachtungsstellen in den Hamburger Stadtteilen St. Georg und Altona.