Mit Lufthansa Cargo nach Sydney: Pferde für Olympia - DER SPIEGEL
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Mit Lufthansa Cargo nach Sydney Pferde für Olympia

In der letzten Augustwoche starten drei Jumbos mit einer teuren Fracht vom Airport Frankfurt am Main. Ihr Ziel: die australische Metropole Sydney. Ihre Ladung: 200 edle Vollblüter. Die drei Boeings der Lufthansa Cargo transportieren sämtliche Pferde der weltweiten Spring -und Dressurreiterelite zu den Olympischen Spielen 2000.
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Ein minutiös geplantes und straff organisiertes Unternehmen mit deutscher Beteiligung: Die olympischen Reiter aus Germany schicken 16 Rösser nach Australien. Eines davon ist "Rusty". Der russische Wallach ist das "Arbeitsgerät" der Dressurreiterin Ulla Salzgeber. Die 40-Jährige ist die Senkrechtstarterin in der deutschen Dressurreiter-Szene - in dieser Saison hat sie alle namhaften Turniere gewonnen.

Zwar saß die Reiterin bei olympischen Spielen bisher noch nicht im Sattel. Trotzdem gilt die leidenschafliche Porschefahrerin innerhalb der Dressur als deutsche Medaillenhoffnung für Sydney 2000: Ross und Reiter sind in Topform. Doch bevor "Rusty" in "down under" Gold holen kann, muss er heil dort ankommen.

Dafür sorgt Martin Atock. Er ist für den Transport der 200 edlen Vierbeiner verantwortlich und damit der Mastermind des logistischen Mammutunternehmens. Der 37-jährige Managing Direktor der weltweit agierenden Tierspedition Pleeden Bloodsted hat alles perfekt organisiert. Die Olympiade in Sydney sprengt alle bisherigen Größenordnungen. Noch nie waren so viele Pferde für den Transport angemeldet, und noch nie war die Entfernung so groß. 28 Stunden müssen die Tiere paarweise stehend in 44.000 Dollar teuren Spezialcontainern überdauern.

Laut Atock steht den Tieren der härteste Teil der Reise zwischen Singapur und Sydney bevor. Pferde bekommen leicht Platzangst und erleiden aufgrund der hohen Stressanfälligkeit schwere Koliken. Dabei können sie sich und andere Tiere im Container verletzen. Die Aufgabe der Pfleger besteht darin, die Pferde in ihren engen Boxen sofort wieder auf die Beine zu stellen, wenn sie sich vor Schmerzen auf den Rücken gelegt haben.

Atocks Männer sind für solche Situationen geschult und agieren wenig zimperlich. Manchmal versuchen die Tiere, aus den Containern zu springen und hängen dann mit Kopf und Vorderläufen aus der Box. Die Helfer müssen die Tiere dann wieder zurückverfrachten. Bei diesen Aktionen kommt es regelmäßig zu kleineren Verletzungen.

Die Gefahr, dass eins der hochgezüchteten Tiere in Panik gerät, besteht gerade auf langen Flügen. Sollte ein Tier im Jumbo verrücktspielen und sich nicht mehr beruhigen lassen, bleibt den Männern keine Wahl. Sie müssten das Pferd aus Sicherheitsgründen töten.

Natürlich steht der Transport auch unter medizinischer Betreuung. Der Mannschaftstierarzt des deutschen Reiterteams ist mit an Board. Zusammen mit sechs Pferdepflegern wird er den vierbeinigen Medaillenhoffnungen der deutschen Equipe die Zeit im Flieger so angenehm wie möglich machen.

Das werden auch die Piloten versuchen. Der Transport der edlen Tiere gilt bei den Piloten der deutschen Kranichlinie als Prestigeprojekt und ist deshalb Chefsache. Der 747-Flottenchef der Deutschen Lufthansa wird die erste Maschine persönlich nach Sydney fliegen.

Ein weiterer wichtiger Punkt des logistischen Mammutwerks: Die Australier haben die strengsten Quarantänevorschriften der Welt. Der gesamte Tiertransport muss unter sterilen Bedingungen ablaufen. Eine eigens aus Sydney eingeflogene Hygienespezialistin wird Martin Atock während der gesamten Verladeaktion auf die Finger schauen. Für die Reise der Pferde nach "down under" ist eine jeweils 14-tägige Quarantäne in Deutschland und Australien vorgeschrieben.