Untergang der "Estonia": Löcher im Stahl - DER SPIEGEL
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Untergang der "Estonia" Löcher im Stahl

Am 28. September 1994 sank die Fähre "Estonia" auf dem Weg von Estland nach Schweden in stürmischer See. Das 55 Tonnen schwere Bugvisier war abgerissen, der Rumpf wurde überflutet, das Schiff kenterte und sank.
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852 Menschen starben. Schon bald entstand ein ungeheuerlicher Verdacht: War die "Estonia" versenkt worden, wurde ihr Bugvisier abgesprengt? Könnte es sich bei ihrem Untergang um eines der größten Verbrechen der Seefahrtsgeschichte handeln?

Seit Anfang Januar ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft unter dem Aktenzeichen 7101 UJs 33/01 in Sachen "Estonia". Sie ist laut Strafprozessordnung für unklare Fälle auf hoher See zuständig. "Wir prüfen", sagt Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger, "ob es hinreichende Anhaltspunkte dafür gibt, dass auf dem Schiff ein Sprengstoffanschlag verübt wurde."

Der Grund für eine neue Untersuchung: zwei unscheinbare dreieckige Metallstücke, etwa fünf mal 15 Zentimeter groß. Die deutsche Fernsehjournalistin Jutta Rabe, 46, und der US-Tauchprofi Gregg Bemis, 72, hatten sie im August vergangenen Jahres in einer waghalsigen Expedition vom Wrack der "Estonia" aus der Tiefe geholt.

Um sich Gewissheit zu verschaffen, geben SPIEGEL und SPIEGEL TV der höchsten deutschen Prüfinstanz, der "Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung" (BAM) in Berlin den Auftrag, ebenfalls die "Estonia"-Proben zu untersuchen. Seit Januar liegt das Gutachten vor. Es beweist: Die geborgenen Metallproben vom Frontschott der in der Ostsee gesunkenen Fähre weisen keinerlei Hinweise auf Sprengstoffexplosionen auf.

Dennoch: Einige Rätsel um den Untergang bleiben ungelöst und ein weiteres haben die Unterwasseraufnahmen von Gregg Bemis aufgeworfen: Genau an der Stelle, wo seine Taucher die Proben abschweißten, fehlt ein weit größeres Metallstück im Zentrum des Lochs, das auf Videos der offiziellen Tauchgänge kurz nach dem Untergang noch deutlich sichtbar ins Bild ragt. Irgendjemand hat es offenbar abgeschweißt. Aber wer? Und warum?





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