Warten auf den Erfolg: IT-Firma Cobion sucht vermisste Kinder im Internet - DER SPIEGEL
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Warten auf den Erfolg IT-Firma Cobion sucht vermisste Kinder im Internet

Eine im Januar erstmals angewendete Gesichtserkennungssoftware der Kasseler IT-Firma Cobion hat die Suche nach vermissten Kindern im Internet revolutioniert. Mit einer Geschwindigkeit von 50 Millionen Bildern pro Tag durchforsten die 1000 Hochleistungsrechner des Unternehmens das Internet nach vermissten Minderjährigen - und das 24 Stunden am Tag.
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Drei ehemalige Mathematikstudenten der Kasseler Universität hatten die Cobion  1997 gegründet und im Laufe der Zeit eine Software entwickelt, die es ermöglichte, zuvor ins System eingespeiste Bilder auf über zwei Milliarden Internetseiten zu suchen. Auf diese Weise forscht man heute nach illegal verwendeten Logos und Markennamen oder verfassungsfeindlichen Symbolen im Web. Für Kunden wie DaimlerChrysler, Bayer oder Adidas trägt Cobion damit einen lukrativen Kampf gegen Produktpiraterie im Netz aus.

Das Unternehmen der Biodata-Gruppe verbindet jedoch Geschäftssinn mit sozialem Engagement: Für Kooperationspartner wie "Vermisste Kinder e. V." oder die Stiftung "Hänsel und Gretel" gehen die 50 Cobion-Mitarbeiter in den Weiten des World Wide Web inzwischen auch auf die Suche nach vermissten Kindern. In Deutschland verschwinden jeden Monat durchschnittlich sechs bis acht kleine Bundesbürger. Bei Cobion forscht man im Monat nach drei von ihnen, pro Vermisstensuche fallen Kosten von 4000 bis 6000 Mark an. Langfristig soll die Finanzierung deshalb durch Sponsoren gesichert werden.

Eine Art mathematischer Gesichtsabdruck


Im Herzen des IT-Unternehmens, dem "Global Image Center", werden die Fotos der Kinder zunächst eingescannt. Dabei gilt: Je mehr Bilder des Kindes vorhanden sind, desto erfolgreicher verläuft die Lernphase des Programms - es erstellt eine Art mathematischen Gesichtsabdruck. In der Regel reicht ein Ausschnitt von den Augenbrauen bis zum Kinn.

Die Gesichtserkennungssoftware vermisst das Bild auf 5000 relevante Rasterpunkte, um die exakten Abstände zwischen Augen, Mund und Nase zu ermitteln. Da sich diese Proportionen auch im Alter kaum verändern, kann man mit Hilfe solcher Daten auch Kinder ermitteln, die schon längere Zeit vermisst sind und deren Aussehen sich mit den Jahren verändert hat.

Das System vergleicht die neu empfangenen Daten nun mit 130 Millionen Bilddateien, unter anderem von illegalen Adoptions- oder Pornoseiten. Das Erstaunliche: Es können auch Kinder erkannt werden, die sich im Bildhintergrund aufhalten oder nur in Ausschnitten zu sehen sind. Etwa vier Wochen dauert die Suche, im Falle eines Treffers wird die Elterninitiative "Vermisste Kinder" informiert, welche alle Daten an Eltern und Polizei weitergibt.

10 Millionen indizierte Seiten


Rund zehn Millionen Seiten stehen bereits auf dem Index der Cobion, die mit ihrem Filtersystem "Sphinx" rund 50 verschiedene Kategorien wie Pornografie, Sex oder Extremismus unterscheiden kann. Die IT-Profis wollen damit Schulen, Eltern und anderen Organisationen im Kinder- und Jugendschutz das Sperren bestimmter Angebote ermöglichen.

Ende August nutzte die Bundesvorsitzende der CDU, Angela Merkel, ihr Gespräch mit dem Vorstand der Cobion AG, Jörg Lamprecht, um ihrem neu erwachten Interesse am Internet und seinen ungeahnten Möglichkeiten Nachdruck zu verleihen. Solange Sponsoren und konkrete oder gar spektakuläre Ergebnisse der kostenintensiven Suche ausbleiben, scheint es allerdings vorrangig, zumindest die Zusammenarbeit mit Non-Profit-Organisationen aufrechtzuerhalten.

Die Schweizer Organisation FREDI (Fondation pour la recherche d'enfants disparus par internet)  nutzt die Technologie von Cobion seit Januar, bei der Stiftung "Hänsel und Gretel"  kümmern sich populäre Hochleistungssportlerinnen wie Heike Drechsler darum, dass mit Hilfe der Cobion-Software intensiv nach vermissten Kindern geforscht wird. Rund eine halbe Million Mark investierte die Kasseler Firma in ihre Kooperation mit der "Elterninitiative Vermisste Kinder" . Die ehrenamtlichen Helfer aus dem schleswig-holsteinischen Kisdorf haben bereits bewiesen, dass ernsthaftes Engagement Ergebnisse bringt: In den letzten vier Jahren konnten sie 21 Kinder in deren Familien zurückführen.