Tiger-Transfer Safaripark Stukenbrock hofft auf Nachwuchs
Im Juni 2002 war es so weit: Nachdem er quer durch Nordeuropa gereist war, erreichte Tiger "Brooklyn" sein Ziel - den Hollywood- und Safaripark Stukenbrock bei Bielefeld. Seine außergewöhnliche Farbe und Fellzeichnung hatten den stattlichen Jäger für den langen Weg von Schweden nach Deutschland prädestiniert: Weil sein Fell so hell ist wie das von Tigerweibchen Shirin, soll er in Zukunft für gleich gearteten Nachwuchs im Stukenbrocker Freizeitpark sorgen.
Vier Jahre alt und fast drei Meter lang ist das Prachtstück von einer weißen Raubkatze aus dem Zoo in Junsele, einem 1400-Seelen-Dorf in Nordschweden. Nur etwa 160 Exemplare der so genannten leukistischen Tiger gibt es weltweit. Ihr Fell ist nicht orange-braun, wie bei der Mehrzahl ihrer Artgenossen, sondern weiß; die typischen dunkelbraunen bis schwarzen Streifen sind dünner und wesentlich heller ausgebildet. Auffällig ist die Rosafärbung der Nase und der Pfotenballen.
Was für den Laien aussieht wie ein Tiger-Albino ist in Wahrheit nicht das Produkt eines Gen-Defekts, sondern einer dominant-rezessiv vererbten Eigenschaft. Während Albinos auf Grund ihrer Unfähigkeit, Farbpigmente auszubilden, eine transparente Regenbogenhaut haben, erkennt man die leukistischen Tiger an ihren stahlblauen Augen.
Bereits 16 weiße Tigerbabys sind im Safaripark zur Welt gekommen. Rund um den Globus hatte Fritz Wurms, der Chef des Stukenbrocker Hollywood- und Safariparks, nach einem Partner für seine weiße Tigerfrau Shirin gesucht. Erst im hohen Norden wurde er fündig: "Ich sah Brooklyn und wusste: Dies ist ein geeigneter Mann für unsere Shirin!" "Anschmiegsam und bildhübsch" sei das 1999 im Park geborene Töchterchen von Mutter Sahiba und Erzeuger Sawari. Weil es noch nicht geschlechtsreif ist, hat das Tiger-Mädchen ausreichend Zeit, sich an ihren potenziellen Gatten zu gewöhnen.
Der nahm die lange Reise gelassener als erwartet und schlummerte die meiste Zeit in seinem Spezialkäfig. Die erste Begegnung mit der neuen Umgebung und dem Tiger-Mädchen im Nachbarkäfig war für alle Beteiligten spannend: Nach einem ersten Fauchen begrüßte Shirin den Neuankömmling mit freundlich erhobenem Schwanz und bekundete erstes Interesse.
Park-Chef Wurms war zufrieden: "Der erste Schritt ist getan, Shirin ist von dem weißen Tigermann begeistert." Brooklyns Enthusiasmus hielt sich zunächst in Grenzen. Der potente Schwede brauchte Zeit, um sich an seinen neue Umgebung zu gewöhnen. Auch hatte er sein Leben bisher ausschließlich in Gesellschaft eines männlichen Artgenossen verbracht. Tiger Tjebben blieb in Junsele zurück und darf sich seit Kurzem mit einer Weibchen aus dem Zoo in Eskiltuna vergnügen.
Solche "Tiger-Leihgaben" beinhalten in der Regel klaren Abmachungen zwischen den Parkbetreibern: Sollte die deutsch-schwedische Eheanbahnung in Stukenbrock erfolgreich verlaufen, geht ein Nachkomme von Shirin und Brooklyn in das internationale Zuchtprogramm vom Zoo in Junsele.
Weil Sym- und Antipathien bei Großkatzen wie Menschen unberechenbar sind, hat man versucht, das Umfeld der zukünftigen Liebenden möglichst vorteilhaft zu gestalten. Die Stukenbrocker Parkbetreiber richteten ein nagelneues Tigerhaus mit reichlich Platz für eine große Raubtierfamilie ein. Auf einem 8000 Quadratmeter großen Gelände können die Tiere sich frei bewegen.