RAF-Terror Der "Deutsche Herbst"
Montag, 5. September 1977
In Köln überfallen RAF-Terroristen des "Kommandos Siegfried Hausner" den Wagen von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Sein Fahrer und drei Sicherheitsbeamte werden getötet, Schleyer wird verschleppt.
Dienstag, 6. September
Die Entführer schicken ein Foto Schleyer ("Gefangener der RAF") und stellen ein Ultimatum, bis zum Mittwoch die "Gefangenen aus der RAF", Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und andere, im Austausch gegen Schleyer freizulassen. Der Genfer Rechtsanwalt Denis Payot, Ex-Generalsekretär der Internationalen Vereinigung für Menschenrechte, soll die RAF-Häftlinge begleiten. Doch Kanzler Helmut Schmidt sagt intern, es gelte, Schleyer lebend zu befreien, die Entführer zu ergreifen und die Handlungsfähigkeit des Staates nicht zu gefährden - das heiße auch, die RAF-Gefangenen nicht freizugeben.
Freitag, 9. September
Das Bundeskriminalamt (BKA) akzeptiert Payot als Kontaktperson zwischen Entführern und BKA.
Montag, 12. September
Schleyer wendet sich in einem Tonband an Oppositionschef Helmut Kohl, er beklagt "Menschenquälerei ohne Sinn".
Dienstag, 13. September
Die Entführer setzen der Bundesregierung im inzwischen schon fünften Ultimatum "eine letzte Frist bis heute Abend, 24 Uhr".
Sonntag, 25. September
Das BKA teilt Vermittler Payot mit, dass die von den RAF-Häftlingen angegebenen Zielländer Libyen und Südjemen eine Aufnahme der Terroristen abgelehnt hätten.
Donnerstag, 29. September
Der Bundestag verabschiedet das "Kontaktsperre-Gesetz". Es soll jeden Kontakt der RAF-Häftlinge zur Außenwelt unterbinden.
Samstag, 8. Oktober
Das Büro Payot übermittelt dem BKA einen Brief Schleyers und eine Polaroid-Aufnahme des Arbeitgeberpräsidenten mit der Aufschrift "Seit 31 Tagen Gefangener".
Donnerstag, 13. Oktober
Die Lufthansa-Maschine "Landshut" (mit 86 Passagieren und 5 Besatzungsmitgliedern an Bord) wird von zwei Männern und zwei Frauen auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt entführt.
Freitag, 14. Oktober
Die palästinensischen Entführer übermitteln der Bundesregierung ein Ultimatum, in dem die Freilassung der "Genossen der RAF aus westdeutschen Gefängnissen" und die Freilassung "palästinensischer Genossen aus dem Gefängnis in Istanbul" verlangt wird.
Sonntag, 16. Oktober
Nach einer Odyssee über Rom, Zypern, Bahrein und Dubai landet die "Landshut" in Aden im Südjemen. Der Chef des Kommandos, Zohair Akache, erschießt Flugkapitän Jürgen Schumann.
Montag, 17. Oktober
Die "Landshut" fliegt von Aden nach Mogadischu. Staatsminister Wischnewski trifft danach in Mogadischu ein und verhandelt mit der somalischen Führung. Nach Einbruch der Dunkelheit landet in Mogadischu eine Sondermaschine der Lufthansa mit einem GSG-9-Kommando an Bord.
Dienstag, 18. Oktober, 0.05 Uhr
GSG-9-Beamte stürmen die "Landshut". Um 0.12 Uhr meldet Staatsminister Wischnewski dem Bundeskanzler telefonisch: "Die Arbeit ist erledigt." Drei der vier Entführer wurden getötet, Passagiere und Besatzungsmitglieder in Sicherheit gebracht.
8.58 Uhr
DPA meldet, dass Andreas Baader und Gudrun Ensslin sich in der Vollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim das Leben genommen haben. Jan-Carl Raspe stirbt um 9.40 Uhr.
Mittwoch, 19. Oktober
Die Leiche Schleyers wird im Kofferraum eines Audi 100 im elsässischen Mülhausen gefunden.