"Ariane 5 Plus" Schwertransporter fürs All
Auf dem heiß umkämpften Markt für kommerzielle Trägersysteme gilt die Ariane bislang als außerordentliche zuverlässig. 154 mal transportierte die Trägerrakete der ESA erfolgreich Satelliten ins All. Damit ist Arianespace mit einem Marktanteil von gut 50 Prozent die Nummer eins unter den kommerziellen Anbietern. Doch immer mehr Konkurrenten aus den USA, Russland, China und Japan machen der Vorzeigefirma auf dem High-Tech-Markt den Gewinn streitig.
Große Hoffnungen im Kampf um Weltmarktanteile ruhten auf der neuen Oberstufe ESC-A (Etage Superieur Cryotechnique A) der "Ariane 5 Plus". Dieses Bauteil in der Spitze der Rakete ist in der Lage, eine Rekordnutzlast von zehn Tonnen in den Weltraum zu transportieren - vier Tonnen mehr als bisher. Damit macht es die 180.000 PS starke ESC-A erstmals möglich, gleich zwei schwere Satelliten auf einmal ins All zu schießen.
Die Ariane 5 ermöglicht es, Satelliten sowohl in erdnahe (von 400 km bis 1.000 km) als auch auf geostationäre Umlaufbahnen (36.000 km) zu transportieren. Die zweistufige Trägerrakete besteht aus einer Hauptstufe EPC (Etage à Propergols Cryotechnic), die mit zwei Feststoff-Zusatzraketen (Booster) ausgestattet ist, und der Oberstufe. Sowohl die Haupt- als auch die neue Oberstufe ESC-A basieren auf kryogener Antriebstechnik, arbeiten also mit tiefkalten, hochenergetischen Treibstoffen (Flüssigwasserstoff und Flüssigsauerstoff). Der zentrale Steuerrungseinheit, das VEB (Vehicle Equipment Bay) befindet sich zwischen Haupt- und Oberstufe.
Nach dem Start werden zunächst die Booster in einer Höhe von rund 65 Kilometern abgestoßen und fallen an Fallschirmen in den Atlantik zurück. Das Haupttriebwerk hat acht Minuten später seinen Brennschluss. Aufgabe der Oberstufe ist es dann, die Nutzlast in die vorgesehen Umlaufbahn zu transportieren.
Die ESC-A wurde im Astrium-Standort Bremen entwickelt und wird dort auch gefertigt. Durch den Einsatz bewährter Komponenten betrug die Entwicklungszeit nur 3 Jahre. Der Fertigungsauftrag der ESA hat ein Volumen von rund 170 Millionen Euro.
Beladen mit den dem Kommunikationssatelliten "Hot Bird TM-7" des europäischen Unternehmens Eutelsat und dem französischen Forschungssatelliten "Stentor" sollte die "Ariane 5 Plus" ursprünglich bereits am 28. November ihren Jungfernflug absolvieren, die Rakete blieb jedoch trotz des abgelaufenen Countdowns auf der Rampe stehen.
Der zweite Startversuch am 12. Dezember führte dann zum Verlust der "Ariane 5 Plus". Für die europäische Raumfahrt bedeutet der Fehlschlag ein herber Rückschlag, der alte Zweifel an der Zuverlässigkeit der Rakete nährt. Der eigentlich Trumpf der europäischen Raumfahrt, die neue Oberstufe ECS-A, wurde bei dem Absturz zerstört, bevor sie überhaupt zum Einsatz kam.
Die kryogene Oberstufe ESC-A der "Ariane 5 Plus"
| Höhe | 4,70 Meter |
| Durchmesser | 5,40 Meter |
| Gewicht/Masse (unbetankt) | 4,4 Tonnen |
| Treibstoffmasse | 14,6 Tonnen |
| Nutzlast | 10 Tonnen (Geostationärer Orbit) |
| Schubkraft H10 | 65 kN / rund 180.000 PS |
| Treibstoffe | LH2/LOX (kryogen) |