Die Axialpumpe "Incor" Titanherz auf Zeit
Entwickelt wurde die Axialpumpe von der Berlin Heart AG in Kooperation mit dem Deutschen Herzzentrum in Berlin. Das Prinzip: Die Pumpe erzeugt mit hohem Druck einen kontinuierlichen Blutfluss, so dass der Patient keinen fühlbaren Puls mehr hat. Angetrieben wird "Incor" durch einen Rotor, der im Inneren des Gehäuses in einem Magnetfeld schwebt. Durch den fehlenden Kontakt mit dem Pumpengehäuse entfallen sowohl Reibung als auch Wärmebildung - Verschleiß und Energieverbrauch sind deutlich geringer als bei ähnlichen Modellen.
Die Rotationspumpe aus Kunststoff und Titan kann das kranke Organ zwar nicht ersetzen. Sie kann jedoch die Zeit bis zur Transplantation überbrücken und dem Kranken dabei zu mehr Lebensqualität verhelfen. Schon die weltweit erste Implantation des "Incor I" im Juni 2002 gab Anlass zu Hoffnung: Der 41-jährige Berliner Holger Beckmann litt an einer schweren Herzmuskelerkrankung, einer dilatativen Kardiomyopathie, und wurde wegen akuten Herzversagens in das Deutsche Herzzentrum eingewiesen. Das Kunstherz konnte sein natürliches Herz so weit entlasten, dass es sich fast vollständig erholte - die Pumpe wurde nach knapp sechs Monaten wieder explantiert. Nach einer vor kurzem beendeten dreiwöchigen Rehazeit in einer Spezialklinik erholte sich Beckmanns Gesamtorganismus so gut, dass er jetzt wieder zu Hause lebt und an einem Nachuntersuchungsprogramm im Deutschen Herzzentrum teilnimmt.
Bis heute wurden insgesamt 26 Patienten mit "Incor" versorgt, davon elf im DHZB. Drei der Patienten konnten bereits erfolgreich transplantiert werden. Nachdem die Wirkungsweise des Kreislaufstabilisierungssystems fünf Jahre lang studiert und analysiert wurde, hofft man jetzt, bis 2005 die Vollimplantierbarkeit zu erreichen. Im März dieses Jahres erhielt die Axialpumpe die europäische Zulassung, bis 2006 will die Berlin Heart AG auch auf dem US-amerikanischen Markt präsent sein. Der Finanzvorstand der "Berlin Heart" bezifferte die Entwicklungskosten des Systems auf bisher mehr als 25 Millionen Euro. Der Marktpreis pro Gerät liegt bei etwa 50.000 Euro.