SPIEGEL Thema 1914 bis 1945 - Der 2. Dreißigjährige Krieg
Der Weltkrieg von 1914 bis 1918 war der erste totale Krieg in der Geschichte der Menschheit. Er verhalf Wladimir Lenin an die Macht und legte den Keim für den Aufstieg des Postkartenmalers Adolf Hitler zum verbrecherischen Diktator.
Neunzig Jahre nach seinem Ausbruch hat das vereinte Deutschland den Ersten Weltkrieg wieder entdeckt, die erste weltumspannend ausgetragene Schlacht, die Urkatastrophe - Auftakt und Vorbild für den Zweiten Weltkrieg. 1914 bis 1945 - 30 Jahre, in denen Millionen von Menschen auf der ganzen Welt Opfer von zwei Kriegen und ihren Folgen wurde. Schon zu Beginn der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts versuchte sich der französische General Charles de Gaulle an einer Gegenwartsanalyse. Er sprach von einem zweiten Dreißigjährigen Krieg, der 1914 begonnen habe und erst mit der Niederlage Deutschlands enden werde.
Renommierte Historiker gehen nun der umstrittenen Frage nach, wer das Fiasko zu verantworten hatte und warum das deutsche Kaiserreich schließlich zerbrach. Wilhelm II.-Biograf John Röhl etwa sagt über die Rolle des deutschen Kaisers am Ausbruch des Ersten Weltkriegs: "Seine Schuld ist sehr groß."
Im XXP-Studio diskutiert Moderator Matthias Ziemann mit dem Journalisten Michael Jürgsdem Historiker Hans-Ulrich Wehler und SPIEGEL-Redakteur Klaus Wiegrefe über die "Urkatastrophe" und den sich anschließenden Marsch in die Barbarei.
Michael Jürgs, Journalist Michael Jürgs arbeitet seit mehr als 35 Jahren als Journalist. Der in Ellwangen Geborene war unter anderem Chefredakteur des "Stern" (von 1986 bis 1990) und von "Tempo". Außerdem moderierte er Anfang der Neunziger die NDR-Talkshow. Bekannt ist Jürgs auch als Autor einer Reihe von Büchern geworden. So schrieb er unter anderem "Das Kleopatra-Komplott", "Der Fall Romy Schneider", "Der Fall Axel Springer" sowie die erste Biografie über Günter Grass. Zuletzt verfasste er "Der kleine Frieden im Großen Krieg. Westfront 1914: Als Deutsche, Franzosen und Briten gemeinsam Weihnachten feierten." Er beschreibt die seltenen Ereignisse im ersten Kriegsjahr, als die Deutschen mit einem raschen Vorstoß über Flandern nach Paris scheiterten und sich Engländer und Deutsche gegenseitig blockierten. In den Weihnachtstagen des Kriegsjahres 1914 kam es dann in Flandern zu spontanen Verbrüderungen unter den feindlichen Truppen.
Hans-Ulrich Wehler, Historiker Wehler wurde 1931 in Freudenberg bei Siegen geboren. Nach dem Studium der Geschichte und Soziologie an den Universitäten Köln, Bonn und in den USA promovierte er 1960 über "Sozialdemokratie und Nationalstaat (1840-1914)". Nach seiner Habilitation 1968 blieb er bis 1970 zunächst als Privatdozent in Köln und wurde 1970/71 Professor an der Freien Universität in Berlin. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 war er Professor für Allgemeine Geschichte in Bielefeld. Er lehrte außerdem als Gastprofessor in Harvard, Princeton und Stanford. Im vierten Band der "Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten" zeichnet Wehler das Bild einer Gesellschaft, die unvorbereitet in einen bis dahin nicht gekannten Massenkrieg gerät - geführt von einer Elite, die sich um die drängenden Reformen drückt und stattdessen einen imperialistischen Annexionskrieg führt. Für den SPIEGEL schreibt er Beiträge zur Serie "1914 bis 1945 - der zweite Dreißigjährige Krieg".
Außerdem im Studio:
Klaus Wiegrefe, Redakteur, DER SPIEGEL
Moderation
Matthias Ziemann, Geschäftsf. Redakteur, SPIEGEL TV