Terror in Europa Die neue Dimension der Gewalt
Fast 200 Menschen kamen bei den verheerenden Anschläge auf Madrider Züge ums Leben, rund 1500 wurden verletzt. Es waren die schwersten Attentate in der jüngeren Geschichte Europas. Zunächst schien klar, dahinter könne sich nur die baskische Terrororganisation Eta verbergen. Doch schnell wurden Zweifel an der Täterschaft der nordspanischen Untergrundkämpfer laut. Und seitdem erst ein Bekennerschreiben einer Unterorganisation von al-Qaida bekannt wurde und die Fahnder nun auch ein islamistisches Bekennervideo gefunden haben, wird zur Gewissheit, dass Osama Bin Laden nun auch Europa auf seiner Agenda hat.
Mit dem Massaker gewinnt der Terror eine neue Qualität: Längst geht es den Tätern nur noch darum, Angst und Schrecken zu verbreiten. Ob Eta-Kämpfer oder al-Qaida-Terroristen - sie alle wollen die rechtsstaatliche Ordnung in ihren Grundfesten erschüttern und zum Einsturz bringen.
Im XXP-Studio diskutiert Moderator Matthias Ziemann mit José Comas, Deutschland-Korrespondent der spanischen Zeitung "El Pais", Joachim Krause vom Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel und Pedro Villena Pérez, spanischer Gesandter in Berlin, über die neue Dimension der Gewalt.
Sendetermin: Montag, 15. März, 23.05 Uhr, XXP
Gäste im Studio
José Comas, Journalist
Comas ist Deutschland-Korrespondent der spanischen Zeitung "El Pais". Der Journalist glaubte zunächst an die Täterschaft der Eta. Doch Zweifel blieben: Denn die "Form des Attentats entspricht eigentlich eher der Vorgehensweise von al-Qaida, es sieht aus wie die Anschläge im Irak", sagt Comas. Für ihn ist es folgerichtig, dass die Täterschaft der al-Qaida der Aznar-Regierung schadet. "Die Leute werden sagen, die haben uns in den Krieg verwickelt und den Terror importiert", so Comas.
Joachim Krause, Politikwissenschaftler
Der 53-Jährige ist Professor mit dem Schwerpunkt internationale Beziehungen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Zuvor war Krause stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin sowie Privatdozent an den Universitäten Bonn und Potsdam. Er ist Abrüstungsexperte und hat darüber bereits Bücher veröffentlicht. Im Kampf gegen den Terrorismus misst Krause der Uno eine besondere Bedeutung zu: "Die Vereinten Nationen haben im Kampf gegen den Terror eine Wiederbelebung erfahren und einiges erreicht", so der Sicherheitsexperte. Seiner Ansicht nach kommt für die Anschläge nur die Eta in Frage: Der radikale junge Eta-Nachwuchs habe sich al-Qaida als Vorbild genommen, vermutete er. Es habe in jüngster Zeit wiederholt Hinweise darauf gegeben, dass die Gruppe "versucht, ganz brutal zuzuschlagen".
Pedro Villena Pérez, spanischer Gesandter
Pérez ist Gesandter in der spanischen Botschaft in Berlin und dort in der politischen Abteilung tätig.
Moderation
Matthias Ziemann, Geschäftsf. Redakteur, SPIEGEL TV