Geiseldrama von Beslan Terrorkrieg gegen Kinder
Es sind Bilder, die sich für immer ins kollektive Gedächtnis einer vom Terror heimgesuchten Generation brennen werden: Bis auf die Unterhosen entkleidete, blutende und desorientierte Kinder rennen am Freitag in Panik aus der Schule "Nummer 1" im nordossetischen Beslan. Sie flüchten vor Kugelhagel, Hunger, Durst und Todesangst in die Arme russischer Soldaten, die angetreten sind, über 1000 Menschen aus den Händen schwer bewaffneter und skrupelloser Terroristen zu befreien.
Zwar gab es schon im Dezember 1993 einen ähnlichen Vorfall. Die Geiselnahme von 15 Kindern in einer Schule in Rostow am Don verlief allerdings unblutig. Auch wollten die Täter lediglich per Hubschrauber nach Iran ausgeflogen werden. Eine von langer Hand geplante, brutale Aktion wie in Beslan ist auch für die Krisenregion Kaukasus ein Novum, obwohl hier Minderjährige bisweilen für Spähaufträge, Bombentransporte oder zum Minenlegen eingesetzt werden.
Der Anschlag auf Säuglinge, Kinder und Heranwachsende im Namen Allahs oder der Völkerbefreiung kommt einem Einreißen sämtlicher moralischer Hemmschwellen gleich und markiert offenbar eine neue Zeitrechnung im internationalen Terrorismus. Was bedeutet das Geiseldrama von Beslan für die Zukunft? Werden sich andere terroristische Gruppierungen ermutigt fühlen, ähnlich kaltblütig vorzugehen? Droht eine weltweite Eskalation der Gewalt bei Anschlägen?
Im XXP-Studio diskutiert Matthias Ziemann (SPIEGEL TV) mit Erich Schmidt-Eenboom, dem Kaukasus-Experten Christian Neef (DER SPIEGEL) und SPIEGEL-TV-Reporter Helmar Büchel.
Sendetermin: Montag, 6. September, 23.00 Uhr, XXP
Gäste im Studio
Erich Schmidt-Eenboom, Leiter des Forschungsinstituts für Friedenspolitik e.V.
Erich Schmidt-Eenboom wurde 1953 in Leer, Ostfriesland geboren. 1973 verpflichtete er sich für zwölf Jahre bei der Bundeswehr. Er studierte Pädagogik und Neuere Geschichte an der Bundeswehr-Universität in Hamburg und wechselte 1985 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Forschungsinstitut für Friedenspolitik e.V. Hier arbeitete er zur Strategie und Infrastruktur der Nato-Streitkräfte sowie zum Rüstungsexport. 1989 verweigerte er nachträglich den Kriegsdienst. Seit 1990 ist er Leiter des Instituts in Weilheim und forscht zu den der Operationen von Nachrichtendiensten in Europa, Japan und Nordamerika. Das Institut hat sich der Aufgabe verschrieben, dort einzugreifen, wo Regierungen die Öffentlichkeit "über die wahren Beweggründe ihrer Politik und Kriege hinwegtäuschen wollen". Als freier Journalist ist er zudem in alle großen Medien in der Bundesrepublik präsent. Der Autor Schmidt-Eenboom wurde bekannt durch seine Bücher über die Aktivitäten des Bundesnachrichtendienstes, unter anderem "Der BND" (1993), "Die Schattenkrieger" (1995) und "Undercover" (1998)
Christian Neef, Stellvertretender Ressortleiter Ausland, DER SPIEGEL
Helmar Büchel, Reporter SPIEGEL TV
Moderation:
Matthias Ziemann, SPIEGEL TV