Flüchtige Macht Der einsame Kampf der Angela Merkel
Es war keine gute Woche für Angela Merkel. Ihr Experte für Wirtschaftspolitik, Friedrich Merz, kündigte seinen Rücktritt von allen Ämtern an. Sie selbst musste einen Rückzieher machen und die von ihr geforderte Unterschriftenaktion gegen einen EU-Beitritt der Türkei für erledigt erklären. Zu allem Übel sank ihre persönliche Beliebtheit nach neuesten Umfragen um sechs Prozentpunkte, während Bundeskanzler Gerhard Schröder um 13 Punkte zulegte.
Im koalitionsinternen Zweikampf um die Macht sieht Edmund Stoiber seine Zeit gekommen. Die Rivalität der beiden Parteivorsitzenden hat Geschichte. Seit dem Leipziger CDU-Parteitag im Dezember 2003 haben sich die Fronten verhärtet. Merkel setzte damals ihr Konzept für eine Gesundheitsreform durch und konnte die Veranstaltung als persönlichen Triumph verbuchen. Auch in der Diskussion um die Wahl des neuen Bundespräsidenten ging der Punkt an die aus Brandenburg stammende Physikerin: Stoiber plädierte für Wolfgang Schäuble, Merkel setzte die Kandidatur ihres Favoriten Horst Köhler durch.
Opposition regt sich allerdings nicht nur in den Reihen der Schwesterpartei: Auch die Ministerpräsidenten Roland Koch (Hessen), Christian Wulff (Niedersachsen) und Peter Müller (Saarland) sowie der Landesvorsitzende der CDU Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, gelten als interne Widersacher der Parteichefin. Im SPIEGEL-Gespräch betont Merkel, sie sei nach 15 Jahren Politik "über die Phase des Erstaunens hinaus". Angesichts der innerparteilichen Querelen mahnt sie alle Beteiligten zu Geschlossenheit: "Vater und Mutter sollten sich erst dann streiten, wenn die Kinder schlafen, und nicht wenn sie wach sind."
Wie sieht die Zukunft der CDU-Parteivorsitzenden aus? Ist die Frage um die Kanzlerkandidatur bereits entschieden? Werden sich Merkels parteiinterne Widersacher durchsetzen? Im XXP-Studio diskutiert SPIEGEL-Redakteur Gabor Steingart mit Ex-Staatsminister Karl-Josef Schommer (CDU) und weiteren Gästen.
Sendetermin: Montag, 18. Oktober, 22.50 Uhr, XXP
Zu Gast im Studio:
Kajo Schommer, ehemaliger sächsischer Wirtschaftsminister (CDU)
Kajo Schommer wurde am 11. März 1940 in Kall in der Eifel geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Kölner Universität und promovierte Ende 1973 zum Dr. agr. pol. Ein Jahr später trat er als Referent in das schleswig-holsteinische Landesministerium für Wirtschaft und Verkehr ein. Sechs Jahre lang war er persönlicher Referent des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers Jürgen Westphal. Nach den Landtagswahlen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR am 14. Oktober 1990 berief der neue sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) Schommer zum Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit. Nach den für die CDU höchst erfolgreichen Landtagswahlen 1994 (über 58 Prozent der Stimmen) und 1999 (knapp 57 Prozent) übernahm Schommer die Führung des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums. Die Wahlniederlage seiner Partei bei den Bundestagswahlen 1998 quittierte er mit dem dringenden Rat an die CDU, eine radikale inhaltliche und personelle Neuorientierung vorzunehmen - und sich dabei von der Dominanz des bisherigen Kanzlers und Parteivorsitzenden Helmut Kohl und seiner engen Mitstreiter zu befreien. Dem neuen, im Mai 2002 vorgestellten Kabinett unter Ministerpräsident Milbradt gehörte Schommer nicht mehr an. Im Juni 2002 übernahm er eine Honorarprofessur an der TU Chemnitz und wurde Ehrenmitglied des Industrievereins Sachsen 1828.
Im Juli 2003 sagte Schommer vor dem Sachsenring-Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtags aus. Er bestritt, vom damaligen Vorstand der Sachsenring Automobilsport AG (SAG) eine Spende in Höhe von fünf Millionen Mark für eine Kampagne der CDU gefordert zu haben.
Moderation:
Gabor Steingart, Leiter des Hauptstadtbüros DER SPIEGEL