Bye-Bye "made in Germany": Deutschland, Exportweltmeister von Arbeitsplätzen - DER SPIEGEL
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Bye-Bye "made in Germany" Deutschland, Exportweltmeister von Arbeitsplätzen

Mit fortschreitender Globalisierung ist die Basis der deutschen Wirtschaft, der industrielle Kern, in Gefahr. Im XXP-Studio diskutieren Experten über das drohende Ende des Produktionsstandortes Deutschland.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der jüngste Kampf um die Opel-Standorte hat gezeigt: Mit der massiven Abwanderung der Produktion ins kostengünstigere Ausland verliert Deutschland zusehends seine industrielle Basis. Das Land der Maschinenbauer und Ingenieure sieht sich mit einem fundamentalen Wandel konfrontiert, der die Volkswirtschaft erschüttert. Nach einer Untersuchung der Boston Consulting Group wird sich die Abwanderung von Industriebetrieben in Niedriglohnländer in den kommenden Jahren noch beschleunigen. Bis zum Jahr 2015 könnte dadurch jeder vierte Industriearbeitsplatz in Deutschland wegfallen. Damit stünden schlimmstenfalls zwei Millionen Jobs auf dem Spiel.

Zwar bleibt Deutschland Exportweltmeister - allerdings vor allem von Arbeitsplätzen. Egal ob Siemens, Hochtief, Bayer oder Linde, investiert wird zurzeit vor allem jenseits der Grenzen. Immer mehr Arbeitsplätze werden nach Polen, Tschechien, Ungarn oder in die Slowakei verlagert. Wo ein Arbeiter nur ein bis zwei Euro in der Stunde kostet und Wachstumsraten von sieben bis acht Prozent locken, fühlen sich knapp kalkulierende Unternehmer zu Hause, ist jede Form von Lokalpatriotismus schnell vergessen. Ist die massive Abwanderung der Produktion ins Ausland überhaupt noch zu stoppen? Welche Chancen hat der Industriestandort Deutschland? Mit welchen Strategien könnte der Anschluss an die Weltwirtschaft gesichert werden? Im XXP-Studio diskutiert SPIEGEL-Redakteur Alexander Jung mit dem Gesamtbetriebsratschef von Opel, Klaus Franz, und Peter Strüven von der Boston Consulting Group.

Sendetermin: Montag, 25. Oktober, 23 Uhr, XXP 

Zu Gast im Studio: Peter Strüven, Boston Consulting Group (BCG)
Peter Strüven ist Seniorpartner der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in Deutschland. Der 55-jährige Wirtschaftsingenieur entwirft Globalisierungsstrategien und Neuorganisationen für Großunternehmen. Nach einer Untersuchung der BCG wird sich die Abwanderung von Industriebetrieben in Niedriglohnländer in den kommenden Jahren beschleunigen. Bis zum Jahr 2015 könnte dadurch jeder vierte Industriearbeitsplatz in Deutschland wegfallen. Damit stünden schlimmstenfalls zwei Millionen Jobs auf dem Spiel, heißt es in der Studie. Um die Arbeitsplätze in Deutschland sicherer zu machen, empfehlen die Berater Lohnverzicht, neue Arbeitszeitmodelle sowie ein umfangreiches Engagement im Bereich Zukunftsbranchen und Dienstleistungen. Strüven betont, dass Deutschland keine direkten Lohnsenkungen, sondern wesentlich mehr ergebnisabhängige Löhne braucht: "Dann partizipieren die Arbeitnehmer in guten Zeiten, und in schlechten sinken automatisch die Kosten", so der Berater. Es gebe Faktoren, die einer Produktion in Niedriglohnländern entgegenstünden. Dazu zählt Strüven die Stabilität der Lieferkette, die Sorge der Unternehmen um den Schutz ihres geistigen Eigentums und die Leistungsfähigkeit deutscher Zulieferer. "Wir können etwas tun gegen die Auszehrung des Produktionsstandorts Deutschland", betont der Berater.

Klaus Franz, Gesamtbetriebsratchef Opel
Der 52-Jährige begann 1975 bei Opel als Lackierer. Seit vier Jahren ist Franz Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, wo er versucht, als so genannter "Manager von unten" mit Hilfe der Belegschaft das Unternehmen auf Vordermann zu bringen. Unter seiner Führung gelang es dem Betriebsrat in den vergangenen Jahren, mehrere Standortsicherungsverträge auszuhandeln. Franz gilt als Pragmatiker und Schlüsselfigur bei dem derzeitigen Konflikt bei Opel.

Alexander Jung, SPIEGEL-Redakteur im Ressort Wirtschaft


Moderation:

Matthias Ziemann, SPIEGEL TV