Die neue Macht der Linken Ein Gespenst kehrt zurück
Nach dem Ende der DDR und dem Zusammenbruch des sozialistischen Blocks schien es, als wäre auch die Philosophie von Karl Marx auf immer im Keller der Ideengeschichte verschwunden. Doch seit sich der Kapitalismus ohne ideologisches Gegengewicht nahezu ungehemmt entfalten kann, suchen wieder mehr Menschen nach Alternativen.
In den neuen Bundesländern profitiert vor allem die Linke.PDS von der neosozialistischen Stimmung: Dort erleben viele Ex-DDR-Bürger soziale Zumutungen und Einschnitte als Bestätigung dessen, was ihnen früher im Staatsbürgerkundeunterricht als marxistische Erkenntnis über den "menschenverachtenden Kapitalismus" der BRD beigebracht wurde.
Und die großen Volksparteien SPD und CDU? Sie wissen nichts dagegen zu setzen. Weil sie wissen, wie aufgewühlt der Osten derzeit ist und wie schwer es ist, über die Wahrheit zu reden: über seinen Zustand, seine Zukunft. Zumal die Wege der Besserung allesamt beschwerlich scheinen.
Im XXP-Studio diskutierten SPIEGEL-Redakteure mit der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Marianne Birthler, dem Wahlkampfleiter der Linkspartei Bodo Ramelow und Richard Schröder, SPD, über die neue Macht der Linken.
Gäste im Studio
Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für Stasiunterlagen
Birthler, in der DDR als Bürgerrechtlerin in mehreren Oppositionsgruppen aktiv, ist Mitglied von Bündnis 90/Die Grüne und wurde im Herbst 2000 Nachfolgerin von Joachim Gauck als Bundesbeauftragte für Stasiunterlagen. Birthler beklagt neben einer "erstaunlichen Tendenz zur Verharmlosung der DDR-Geschichte" auch die wachsende mentale Mauer zwischen Ost und West.
Bodo Ramelow, Bundeswahlkampfleiter die Linke.PDS
Ramelow, Mitglied der PDS seit 1999, ist Vorsitzender der PDS-Fraktion im Thüringer Landtag und Wahlkampfleiter der PDS. Ramelow führte die Verhandlungen der PDS bei den Fusionsgesprächen mit der WASG. Sein Ziel für die Bundestagswahl: der Einzug der Linke. PDS in den Bundestag als drittstärkste Kraft mit mindestens acht Prozent - Motto der Kampagne: "Links kommt".
Richard Schröder, SPD
Der evangelische Theologe gilt unter anderem durch maßgebliche Beteiligung bei der Neugründung der SPD-Ost als einer der bekanntesten "Wende-Politiker". Seit 2001 ist Schröder Mitglied im Nationalen Ethikrat, davor unterstützte er die Grundwertekommission der SPD. Die Reaktion auf das Erstarken der Linkspartei missfällt ihm zutiefst: Genüsslich lauere der Westen auf jedes Fehlverhalten im Osten, so Schröder.
außerdem im Studio:
Stefan Berg, DER SPIEGEL
Moderation: Corinna Lampadius, XXP