Vom Trümmerland zum Wirtschaftswunder: Die 50er Jahre - DER SPIEGEL
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Vom Trümmerland zum Wirtschaftswunder Die 50er Jahre

Deutschland in den 50ern: Eine Zeit der Nierentische, des Wirtschaftswunders und – der Verdrängung. Wie entstand aus den Trümmern der Diktatur einer der liberalsten Staaten Europas? Im XXP-Studio diskutieren Klaus Wiegrefe, DER SPIEGEL, und Corinna Lampadius, SPIEGEL TV, mit Zeitzeugen und Experten über die Gründerjahre der Bundesrepublik.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Groß sind die Hoffnungen nicht, die auf der zweiten deutschen Demokratie ruhen. Das Land zerstört, fast jeder sechste Deutsche durch Krieg, Holocaust und Vertreibung umgekommen. Männer mit gelben Blinden-Armbinden oder beinamputierte Kriegsversehrte in abgenähten Hosen mühen sich durch die Ruinenlandschaften der zerbombten Städte, in denen Millionen Flüchtlinge aus den Ostgebieten ausharren.

Als umso bemerkenswerter empfinden die Zeitgenossen den rasanten Wandel, der schon bald einsetzt und die kühnsten Hoffnungen übertrifft. Von einem "Wunder" ist später die Rede, denn anders können sich viele nicht erklären, wie aus dem verwüsteten Weststaat in einer halben Generation eine angesehene Mittelmacht mit blühenden Landschaften wird.

Auch die Politik wirkt wie ein Wunder. Trotz Millionen ehemaliger Nazis, Hunderttausender Mörder, ungezählter Schreibtischtäter etabliert sich in wenigen Jahren eine stabile Demokratie, von Adenauer, inzwischen zum Kanzler gewählt, fest im Westen verankert. Statt politischem Chaos eine funktionstüchtige Regierung, loyale Beamte, hohe Wahlbeteiligungen, klare Mehrheiten.

Im XXP-Studio diskutieren Klaus Wiegrefe, DER SPIEGEL, und Corinna Lampadius, SPIEGEL TV, mit Inge Deutschkron, Schriftstellerin, Günter Schabowski, Politiker und Journalist und Prof. Axel Schildt, Historiker.


Gäste im Studio:

Inge Deutschkron, Schriftstellerin. Als Jüdin überlebte sie die Nazidiktatur in Berlin und ging nach dem Kriegsende nach London. 1955 kehrte sie nach Deutschland zurück und berichtete als Korrespondentin der israelischen Zeitung "Maariv" aus Bonn, dem damaligen Regierungssitz.

Günter Schabowski, ehemaliges Mitglied des Politbüros der SED. Von 1948-1967 arbeitete er als Redakteur bei der Gewerkschaftszeitung "Tribüne" in Ostberlin, ab 1953 als deren stellv. Chefredakteur.

Prof. Axel Schildt, Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die 50er und 60er Jahre der Bundesrepublik. Sein Buch "Ankunft im Westen" (1999) zählt zu den zeitgeschichtlichen Standardwerken.

Außerdem im Studio:

Moderation: Klaus Wiegrefe, DER SPIEGEL, und Corinna Lampadius, SPIEGEL TV