Schrecken der Meere Der Weißhai (Carcharodon carcharias)
Seinen Namen verdankt der Weißhai seinem cremefarbenen bis weißen Bauch, der sich stark von der blau bis grau-braunen Rückenfarbe unterscheidet. Die Augen sind verhältnismäßig klein, haben keine Nickhaut, sind allerdings ebenso wie die Nase überdurchschnittlich gut entwickelt - weiße Haie sehen farbig. Gleichermaßen auffällig wie Furcht einflößend ist das breite, leicht runde Maul mit den dreieckigen, gesägten Zähnen. Der Weißhai besitzt sehr große Kiemenspalten und lange Brustflossen. Die Schwanzflosse ist symmetrisch (Homozerke) und zeigt breite Kiele auf dem Schwanzstiel.
Der Carcharodon carcharias hält sich in gemäßigten Regionen, aber auch in subtropischen und tropischen Meeren auf - dann allerdings nur im Winter. Weiße Haie schwimmen sowohl unmittelbar unter der Wasseroberfläche, als auch in größeren Tiefen. Die maximale Fangtiefe liegt derzeit bei 1280 Metern. Weil sie Seehunde und Seeelefanten jagen, halten sie sich häufig in Ufernähe, vor allem an den Küsten Südaustraliens, Südafrikas und Kaliforniens auf.
Anders als andere Haiarten sind die weißen Haie keine vollkommenen Kaltblüter, sondern sie besitzen ein spezielles Netz von Blutgefäßen, das es ermöglicht, eine Körpertemperatur aufrecht zu erhalten, die zwischen 10 bis 15 Grad über der Wassertemperatur liegen kann. Dadurch ist es ihnen möglich, auch in sehr kalten Gewässern zu jagen. Entgegen der etablierten Vorstellung, Haie seien Einzelgänger, sieht man die Fische durchaus in kleineren Gruppen mit klar definiertem und komplexem Sozialverhalten.
Das Nahrungsspektrum des weißen Hais ist riesig: Neben Seehunden, Meeresschildkröten und anderen Haiarten stehen Pinguine und Tintenfische ebenso auf dem Speiseplan wie tote Tiere. Abhängig von der Größe der Beute fressen weiße Haie offenbar nur sporadisch, bisweilen im Monatstakt. Bei einer Länge zwischen fünf und sechs Metern wiegen sie um die 2000 Kilogramm und haben eine Lebenserwartung von 21 bis 23 Jahren.
Haie sind lebend gebärend ohne Dottersack-Plazenta. Die Embryonen ernähren sich von anderen Eiern (Oophagie). Da man sehr selten auf schwangere Weibchen trifft, gehen Forscher davon aus, dass diese sich von den anderen Tieren absondern. Die Dauer der Schwangerschaft wird auf zwölf Monate geschätzt. Auch über die Anzahl der Nachkommen sind sich die Wissenschaftler noch immer uneinig; es wurden jedoch schon Weibchen mit neun Jungen gefunden. Die Geburtsgröße liegt bei etwa 130 bis 150 Zentimetern.
Obwohl über die Populationen des Weißhais noch weniger bekannt ist als über andere Haiarten, setzte die Internationale Vereinigung für Naturschutz IUCN den weißen Hai 1996 auf die Rote Liste der bedrohten Arten. In Südafrika, Namibia, Australien, den USA und Israel ist der weißbäuchige Räuber bereits unter Schutz gestellt. Die Zahl der jährlich gefangenen Haie wird auf 100 Millionen geschätzt. Besonders begehrt sind Zähne, Flossen und Kiefer der Haie, deren Wert auf bis zu 50.000 Dollar geschätzt wird. Mit sinkenden Populationen steigen die Preise.
Auf Grund ihrer Größe und des großen Nahrungsspektrums müssen weiße Haie als potenziell gefährlich angesehen werden. Sie reagieren sehr schnell auf Umrisse und Bewegungen im Wasser und können Surfer oder Schwimmer durchaus für natürliche Beute wie Seehunde halten.
Verbreitungsgebiete:
Westlicher Atlantik:
Neufundland bis Florida, Bahamas, Cuba und nördlicher Golf von Mexiko, Brasilien und Argentinien
Östlicher Atlantik:
Südengland, Frankreich, Senegal, Ghana, Zaire
Mittelmeer:
Südafrika, Seychellen, Rotes Meer
Westlicher Pazifik:
Sibirien, Japan, Korea, China, Philippinen, Australien, Tasmanien, Neuseeland, Neukaledonien
Zentralpazifik:
Marshall Inseln, Hawaii
Östlicher Pazifik:
Golf von Alaska bis zum Golf von Kalifornien und Panama bis nach Chile