Fall Brenda Schaefer Der Mörder, der davonkam
Brendas Auto wurde am Tag nach ihrem Verschwinden ein paar Hundert Meter von ihrem Zuhause entfernt gefunden. Ihr Freund Mel Ignatow gab später bei der Polizei an, er habe sie abends um 23 Uhr zuletzt gesehen. Sie sei in ihr Auto gestiegen und wollte nach Hause fahren.
Der Polizei zufolge war Ignatow dem Profil nach ein Sadist, jemand, der sich am Leiden anderer sexuell erregt. Brendas beste Freundin sagte aus, Brenda habe sich von Mel trennen wollen. FBI-Spezialist Roy Hazelwood, der damals von den lokalen Behörden zu Rate gezogen wurde, sagte dem US-Nachrichtensender CBS dazu: "Man trennt sich nicht von jemandem wie Mel Ignatow. Er trennt sich von dir." Er sei überzeugt, Mel Ignatow habe sich entschlossen, die junge Frau umzubringen - und das auf eine Art, die ihm möglichst viel Freude bereiten sollte, meint der FBI-Mann.
Doch nachweisen konnten die Fahnder Ignatow nichts. Die Leiche blieb verschwunden, andere Beweise gab es nicht. Auf Initiative von Staatsanwalt Scott Cox ließ sich Ignatow überreden, eine freiwillige Aussage vor einem Großen Geschworenengericht zu machen. Darin erwähnt er eine Ex-Freundin, Mary Ann Shore, die ebenfalls zur Aussage geladen wurde. Shore verstrickte sich während der Befragung in ihren eigenen Aussagen. Als das Gericht sie damit konfrontierte, verließ sie fluchartig den Gerichtssaal. Shore wurde erneut befragt, brach zusammen und sagte aus, Ignatow habe Brenda Schaefer in seiner Wohnung in Louisville sexuell missbraucht, gefoltert und getötet. Shore selbst sei dabei gewesen, habe gar Fotos von der Tat gemacht, sei aber beim tatsächlichen Mord nicht anwesend gewesen. Sie führte die Polizei dann in einen Wald hinter ihrem Haus, zum Grab der Ermordeten.
Am 10. Januar 1989 wurde Brenda Schaefers Leiche gefunden und Mel Igantow verhaftet. Doch auch die Zeugenaussage von Mary Ann Shore reichte nicht aus - Ignatow wurde freigesprochen. Ein halbes Jahr nach dem Freispruch fand die Polizei in Ignatows altem Haus - eher zufällig, es war bereits die dritte Durchsuchung - die Fotos. Die Bilder, die Mary Ann Shore gemacht hatte. Sie zeigten Mel Ignatow, der Brenda Schaefer vergewaltigt.
Laut US-Verfassung kann man nicht zweimal wegen desselben Verbrechens angeklagt werden. Das heißt: Wer einmal des Mordes angeklagt war und freigesprochen wurde, kann dafür nicht mehr belangt werden - selbst wenn er den Mord später zugibt oder er ihm nachgewiesen wird. "Double Jeopardy" heißt dieser Grundsatz. Ignatow gestand. Er habe Brenda Schaefer missbraucht, gefoltert und umgebracht. Wegen Mordes konnten das Gericht ihn nicht mehr belangen, wegen Meineids aber sehr wohl. Er wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Danach kam er frei, doch die Staatsanwaltschaft strengte weitere Verfahren wegen Meineids an. Im Januar 2002 wurde Mel Ignatow deswegen zu neun Jahren Haft verurteilt.
Der Journalist Bob Hill hat ein Buch über den Fall geschrieben, das allerdings nur auf Englisch erhältlich ist.
Bob Hill
Double Jeopardy
An Electrifying True Story of Senseless Cruelty, Murderous Rage, and Justice Misscarried
Avon, 1996
6,99 US-Dollar