Ernährung: Essbare Landschaften und andere Genüsse - DER SPIEGEL
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Ernährung Essbare Landschaften und andere Genüsse

Sie sind Einzelkämpfer gegen die Gleichschaltung des Geschmacks, Apostel einer besseren Ernährung. Kleine Lebensmittelproduzenten, die sich nicht mit der charakterlosen, aromaarmen und großteils ungesunden Massenware zufrieden geben, die uns die Nahrungsmittelindustrie tagtäglich auftischt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Beim Viehzüchter Karl-Heinz Wolf vom österreichischen Attersee, wachsen Ochsen und Schweine wie im Paradies auf. Wird ein gewöhnliches Fabrikschwein im engen Stall mithilfe von Hormonen und Wachstumsbeschleunigern innerhalb von drei Monaten zur Schlachtreife aufgepäppelt, leben die Öko-Schweine von Bauer Wolf ein unbeschwertes Leben auf weitläufigen Wiesen. Die "Egelseer Waldschweine", Kreuzungen aus widerstandfähigen alten Rassen, werden erst nach zwölf Monaten geschlachtet. Zuvor haben sie sich von Wildkräutern auf der Wiese ernährt, sind nie mit Arzneien oder Masthilfsmitteln in Berührung gekommen. Das glückliche Leben schlägt sich im Geschmack nieder: Feinschmecker schwärmen vom zarten, aromatischen Fleisch der Wolf’schen Tiere.

Auch Ralf Hiener und Olaf Schnelle besinnen sich auf vergessene Tugenden: In ihrer Gärtnerei in Nordvorpommern rekultivieren sie alte Kräuter: Vogelmiere, Giersch oder "Fette Henne", Gewächse, die Jahrzehnte lang als Unkräuter galten. Mit ihrer Geschäftsidee hatten die Jungunternehmer ungeahnten Erfolg: Die Wildkräuter-Mischungen der beiden von den "Essbaren Landschaften" finden sich heute auf vielen Speisekarten deutscher Edelrestaurants wieder.

Nicht nur die Spitzengastronomie, auch den internationalen Adel und Geldadel beliefert der Elsässer Bernard Antony. Er ist ein sogenannter "Afinneur". In seinem Keller reifen an die hundert Käsesorten, hergestellt ausschließlich von kleinen Handwerksbetrieben und ausschließlich aus Rohmilch, nicht pasteurisiert. Denn beim Pasteurisieren verliert ein Käse seinen besonderen Charakter. Pasteurisierter Käse, sagt Antony, ist wie ein kastrierter Mann.