Interview mit Infineon-Chef Auslandsflucht als unternehmerische Pflicht
XXP:
Infineon denkt darüber nach, die Konzernzentrale ins Ausland zu verlegen. Warum wollen Sie Deutschland den Rücken kehren?
Schumacher: Wir sind als Unternehmen gezwungen, nicht nur auf die Markt-, sondern auch auf die Standortkrise zu reagieren. Im Bezug auf die Marktkrise haben wir das bereits mit großer Konsequenz getan - mit der negativen Auswirkung, dass wir Entlassungen durchführen mussten aber auch mit dem positiven Ergebnis, dass sich unsere Liquiditätssituation stark stabilisiert hat und wir heute wieder als eines der bestaufgestellten Unternehmen unserer Branche dienen. Wenn sich die Randbedingungen am Standort, die ja schon in der Vergangenheit nicht immer wettbewerbsfähig waren, jetzt noch verschlechtern, dann ist es unsere unternehmerische Pflicht, darauf zu reagieren und nach anderen Optionen zu schauen. Und genau das tun wir.
XXP: Welche Optionen haben Sie konkret ins Auge gefasst?
Schumacher: Es gibt europäische Wettbewerber - da brauchen wir gar nicht so weit in die Ferne zu schweifen - die aus Europa heraus in der gleichen Branche Steuervorteile in einer Größenordnung von 20 bis 25 Prozentpunkten haben. Das sind in guten Jahren wie 2000 zwischen 300 bis 400 Millionen Euro mehr, die man zur Verfügung hat, um in neue Technologien zu investieren. Das ist ein signifikanter Betrag, der jeder Mühe wert ist.
XXP: Was bedeuten diese Überlegungen für die Infineon- Arbeitsplätze in Deutschland?
Schumacher: Für die Arbeitsplätze in Deutschland hat das zunächst keine negativen Auswirkungen. Wir haben stets klar kommuniziert, dass wir unseren heutigen Bestand an Mitarbeitern in der Größenordnung von etwa 12.000 auf jeden Fall aufrecht erhalten und absichern wollen. Dass wir zum Teil Arbeitsplätze von anderer Qualität, nämlich krisensichere Arbeitsplätze, schaffen müssen, ist die logische Konsequenz. Um das gewährleisten zu können, müssen wir Veränderungen in der generellen Struktur des Unternehmens vornehmen, aber eben auch versuchen, Steuervorteile zu erreichen, um diese in die Zukunft unseres Unternehmens und der Mitarbeiter zu investieren.
Das gesamte Interview sehen Sie heute abend ab 22.10 Uhr auf XXP