Ausbildung: Betriebe kämpfen mit unbesetzten Ausbildungsplätzen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Umfrage der Industrie- und Handelskammer Etwa jeder zweite Betrieb kann nicht alle Ausbildungsplätze besetzen

Auszubildende zu finden, bleibt für Unternehmen schwierig. Laut einer Umfrage unter knapp 15.000 Betrieben mangelt es nicht an Bewerbungen, aber an bestimmten Kompetenzen bei den Interessenten.
Es mangelt an Azubis: Viele Stellen bleiben unbesetzt
Es mangelt an Azubis: Viele Stellen bleiben unbesetzt

Es mangelt an Azubis: Viele Stellen bleiben unbesetzt

Foto: Unai Huizi / picture alliance

Fast jeder zweite Betrieb konnte im letzten Ausbildungsjahr laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) nicht alle Azubi-Stellen besetzen. Zwar betrifft dies mit 48 Prozent der Befragten etwas weniger Unternehmen als im Vorjahr. Das sei aber nicht unbedingt eine gute Nachricht, warnt die DIHK: Die Betriebe hätten wegen anhaltender Probleme bei der Bewerbersuche auch weniger Stellen zu besetzen. 26 Prozent der Unternehmen planten in diesem Jahr, ihre Ausbildungsplätze zu reduzieren, nur 15 Prozent eine Ausweitung. Die Daten basieren auf einer Onlineumfrage, an der sich rund 15.000 Unternehmen beteiligten.

»Die Unternehmen kämpfen mit der wirtschaftlichen Situation, ihnen fehlen inzwischen oft finanzielle Mittel sowie klare Aussichten für den Betrieb«, erklärte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. »Gleichzeitig braucht die Wirtschaft für einen hoffentlich bald kommenden Aufschwung gut ausgebildetes Personal.«

Industrie, Verkehr, Bau und Handel haben es besonders schwer

Besondere Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen hatten demnach Industrie, Verkehr, Bau und Handel. Unter den Betrieben mit Besetzungsschwierigkeiten nannte nur ein knappes Drittel einen Mangel an Bewerbungen als Hauptgrund. Knapp drei Viertel gaben vielmehr an, keine geeigneten Bewerbungen erhalten zu haben.

Besonders wichtig sind den Betrieben bei ihren Auszubildenden Arbeits- und Sozialverhalten, gefolgt von »grundlegender mentaler Leistungsfähigkeit« und schulischen Grundkenntnissen. Doch 87 Prozent sehen Mängel bei den Ausbildungsvoraussetzungen, und zwar insbesondere bei Belastbarkeit, Disziplin, mentaler Leistungsfähigkeit sowie Leistungsbereitschaft und Motivation.

Mehr zum Thema

»Es mangelt an Basiskenntnissen und Kompetenzen, die praktisch für jeden Ausbildungsberuf nötig sind: Zuverlässigkeit, Lernbereitschaft, Einsatzwille und Lesen, Schreiben, Rechnen. Wer das nicht mitbringt, wird es im Berufsleben insgesamt schwer haben – umso mehr zu Beginn«, so Dercks. »Wir brauchen in den Schulen wieder einen Fokus auf die grundlegenden Fähigkeiten.«

Für die Nachwuchskräfte, die sich für eine Ausbildung entscheiden und eingestellt werden, sind die Aussichten positiv. Zwei Drittel der Ausbildungsbetriebe übernähmen laut Umfrage alle ihre Azubis. Das geht auch aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)  hervor, laut der die Übernahmequote im vergangenen Jahr bei 79 Prozent lag.

kah/dpa/Reuters

Mehr lesen über