Aktuelle Umfrage der Bertelsmann-Stiftung Unternehmen werben auf den falschen Plattformen um Nachwuchs
Kommunizieren aneinander vorbei: Unternehmen bieten zu selten Ausbildungsplätze auf YouTube und Co. an (Symbolbild)
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Das Problem vieler unbesetzter Ausbildungsstellen lässt sich einer Umfrage zufolge damit begründen, dass Bewerber:innen und Unternehmen auf unterschiedlichen Plattformen unterwegs sind und so nicht zueinanderfinden.
Zwar spielen Online-Stellenausschreibungen für beide Seiten die wichtigste Rolle, wie eine gemeinsame Jugend- und Unternehmensbefragung der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt. Doch während 71 Prozent der befragten Unternehmen auf Facebook über ihre Ausbildungsplätze informieren, sucht hier nur ein Viertel der jungen Menschen nach Ausbildungsangeboten.
Sie nutzen häufig YouTube (47 Prozent), WhatsApp (38 Prozent) und TikTok (30 Prozent) – diese Kanäle werden von Unternehmen aber deutlich seltener bespielt, bei YouTube beispielsweise nur von 18 Prozent. Instagram ist sowohl bei jungen Menschen (57 Prozent) als auch bei Unternehmen beliebt.
Junge Menschen ohne Lehrstelle, Unternehmen ohne Nachwuchs
Seit Jahren verschärft sich die Lage am Ausbildungsmarkt: Während 2010 noch 15 Prozent aller Ausbildungsplätze leer blieben, waren es im vergangenen Jahr 35 Prozent, wie Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit zeigen. Zu Beginn des vergangenen Ausbildungsjahres 2023/24 gab es laut IW insgesamt rund 73.000 freie Ausbildungsplätze – und 63.000 junge Menschen, die keine Lehrstelle fanden. Von diesen war etwa jeder Vierte der Meinung, es gebe zu wenig Angebot. Die nun veröffentlichte Befragung könnte einen Hinweis darauf geben, wie beides zusammenpasst.
»Das Ausbildungsplatz-Marketing über Social Media bietet Verbesserungspotenzial. Unternehmen sollten ihre Kommunikation stärker an das Medienverhalten der jungen Menschen anpassen, um mehr potenzielle Bewerber:innen zu erreichen«, empfehlen die Studienautoren in einer Pressemitteilung.
Defizit in der Berufsorientierung
Die Befragung zeigt auch, was sich junge Menschen wünschen, um sich auf dem Ausbildungsmarkt besser orientieren zu können. Sowohl Unternehmen als auch junge Menschen stufen die Bedeutung von Praktika am wichtigsten ein. Doch während 88 Prozent der jungen Menschen Betriebsbesichtigungen wichtig sind, werden solche nur von knapp jedem zweiten befragten Unternehmen angeboten. Auch Ausbildungsbotschafter im Schulunterricht oder Ausbildungsmessen erfreuen sich bei jungen Menschen großer Beliebtheit. Unternehmen bieten diese Orientierungsangebote eher selten an.
Beide Seiten blicken auch unterschiedlich auf die Einstellungskriterien. Während knapp drei Viertel der befragten Unternehmen angeben, dass persönliche Kompetenzen gegenüber formalen Abschlüssen wichtiger sind, wenn es um die Besetzung einer Ausbildungsstelle geht, glaubt das nur etwas mehr als die Hälfte der jungen Menschen.
Die Studienautoren betonen: Unternehmen sollten jungen Menschen gegenüber deutlich kommunizieren, dass sie auch auf persönliche Kompetenzen achten – das signalisiere eine Offenheit für Bewerber:innen mit niedrigeren Schulabschlüssen. Auch in der Berufsberatung sollte auf diesen Aspekt hingewiesen werden.
An der Befragung haben im Frühjahr 2024 rund 1730 Menschen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren teilgenommen. Durchgeführt wurde sie vom Institut iconkids & youth im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Dazu wurden Personalverantwortliche in 895 Unternehmen aller Branchen mit Ausnahmen des öffentlichen Dienstes im Rahmen des IW-Personalpanels befragt.