Bis das Blatt sich wendet - DER SPIEGEL
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Krimi / "Das Mädchen, das die Seiten umblättert" Bis das Blatt sich wendet

Regisseur Denis Dercourt gelingt ein packender musikalischer Thriller.
• aus UNI SPIEGEL 2/2007
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Voller Anmut steht sie da, ganz und gar in ihre Aufgabe versunken, dann blättert sie bedächtig das Notenblatt um, zieht den Arm zurück und verharrt wieder in gravitätischer Würde. Selten gab ein Film einer derart schlichten Tätigkeit, die nur aus einer einzigen Bewegung besteht, ein so großes Gewicht wie »Das Mädchen, das die Seiten umblättert«. Doch der musikalische Thriller erzählt von der künstlerischen Symbiose zwischen einer Pianistin und ihrer Helferin am Notenpult und zeigt, wie sich mit einer einzigen Seite Papier das Schicksal wenden kann.

Die hochbegabte Klavierspielerin Mélanie (Julie Richalet) bewirbt sich als Teenager auf einer Musikschule. Als bei der Aufnahmeprüfung eine Jurorin, die berühmte Pianistin Ariane Fouchécourt (Catherine Frot), einem Fan ein Autogramm gibt, gerät Mélanie aus dem Takt - und fällt durch. Über zehn Jahre später nimmt sie (nun von Déborah François verkörpert) im Haus von Fouchécourt eine Anstellung an. Die Pianistin erkennt Mélanie nicht wieder und gerät in eine immer größere Abhängigkeit von der jungen Frau, die für sie die Seiten umblättert.

Mit viel Feingefühl und genauer Beobachtungsgabe erzählt Dercourt von einer ganz ungewöhnlichen Beziehung zwischen zwei Frauen. Das Klavierspiel erscheint im Laufe des Films zunehmend wie ein Duett zweier großer Künstlerinnen: Fouchécourt sitzt an ihrem Instrument, Mélanie steht daneben und begleitet sie mit einer zweiten, lautlosen Stimme. Ein höchst intimer Akt, der eine außerordentliche Nähe schafft. So wird aus der Arbeitsbeziehung ein unausgesprochenes Liebesverhältnis.

Lange lässt Regisseur Dercourt den Zuschauer über die Motivation seiner jungen Heldin im Unklaren. Was zieht Mélanie zu der Frau hin, die ihren Traum zerstörte? Künstlerische Bewunderung, erotische Attraktion oder das Bedürfnis nach Rache? Bei jedem Konzert der beiden sind die Schwingungen des Suspense zu spüren, wird der Thriller zum Resonanzboden des Musik-Dramas. So brillant Denis Dercourt auf der Klaviatur der Gefühle auch spielt, im Finale des Films, das allen Zwischentönen den Garaus macht, ist sein Anschlag dann leider sehr hart.

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