Gebühren / Studentenschwund Brain Drain auf dem Campus
Viele Hochschulen, die für das jetzt laufende Sommersemester erstmals von allen Studenten Gebühren verlangen, verzeichnen einen Rückgang ihrer Studierendenzahlen. So sind an der Uni Bonn mit 25 500 Studenten etwa 15 Prozent weniger immatrikuliert als im Sommersemester 2006, die Uni Heidelberg meldet einen Schwund im selben Zeitraum von mehr als zehn Prozent auf rund 22 400, und auch die Universität Köln erwartet einen ähnlichen Rückgang. Die Anzahl der Studienanfänger liegt indes vielerorts auf dem Niveau des Vorjahressemesters. »Die Lust, an die Uni zu gehen, hat unter den Gebühren anscheinend nicht gelitten«, sagt Patrick Honecker, Sprecher der Kölner Uni. Da der Schwund vor allem höhere Semester betrifft, gehen viele Hochschulen davon aus, dass es wieder zu einer »Karteibereinigung« durch die Gebühren gekommen ist. »Die neue Beitragspflicht zwingt alle Studierenden, zu entscheiden, ob sie ihr Studium noch ernsthaft verfolgen«, sagt der Bonner Uni-Rektor Matthias Winiger. Ähnliche Auswirkungen hatte bereits die Einführung der Langzeitstudiengebühren und Studienkonten. Auch in Österreich waren nach Erhebung der Studiengebühren 2001 die Studentenzahlen eingebrochen, inzwischen erleben die dortigen Unis aber einen Rekordandrang der Erstsemester. Viele deutsche Studenten dürften auch ausnutzen, dass sie nach der Exmatrikulation weiterhin mindestens ein Jahr das Recht haben, ihre Prüfung abzulegen, wenn sie scheinfrei sind.