meinung •Erfolgreicher studieren Endlich Schluss mit dem Last-minute-Lernen
Bis mitten in der Nacht lernen? Keine gute Idee!
Foto:Aliyev Alexei Sergeevich / DEEPOL / plainpicture
Na, wieder zu spät mit dem Lernen angefangen? Willkommen im Klub. Viele Studierende bereiten sich panisch bis zur letzten Sekunde auf ihre Prüfungen vor - und das jedes Semester aufs Neue.
Ich gebe es zu: Während meines Studiums gehörte ich selbst zu diesem Kreis. Besonders vor harten Klausuren saß ich bis in die frühen Morgenstunden am Schreibtisch, starrte Vorlesungsfolien an, lernte Fachbegriffe auswendig und fluchte. Hat mir das etwas gebracht? Nein.
Gutes Zeitmanagement, die richtige Lernstrategie vor Prüfungen, Tipps für den Einstieg ins digitale Semester: In dieser Kolumne gibt Dr. Tim Reichel Rat zu Herausforderungen im Studium und zeigt, wie Studierende erfolgreich durch den Bachelor kommen – ohne Dauerstress.
Du stehst auch vor einem vermeintlich unlösbaren Problem im Studium oder hast eine Frage an Tim Reichel? Dann schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .
Heute bin ich schlauer und weiß, dass ich auf denselben Denkfehler hereingefallen bin wie viele andere Studierende auch: Ich habe die Prüfung nicht bestanden, weil ich in der Nacht davor gelernt habe; ich habe die Prüfung bestanden, obwohl ich in der Nacht davor gelernt habe. Was heißt das? Ganz einfach: Wenn du die Nacht vor der Prüfung durchlernst, schwächst du deine Performance am nächsten Tag - und zwar massiv (Physiological Reviews ). Schauen wir uns genauer an, warum diese Strategie fast immer nach hinten losgeht - und welches Vorgehen besser funktioniert.
Kleine Gewinne, riesige Verluste
Nehmen wir an, du erarbeitest dir in der Nacht vor der Prüfung ein neues Kapitel aus der Vorlesung und widmest dich einigen unbekannten Übungsaufgaben. Was davon wird bis zum Prüfungszeitpunkt in deinem Gedächtnis hängen bleiben? Fast gar nichts. Weil du lernst, anstatt zu schlafen, kann sich dein Körper nicht regenerieren. Unser Gehirn verarbeitet und vernetzt einen großen Teil neuer Informationen im Schlaf - doch genau das ist in diesem Fall nicht möglich. Die Folge: Die meisten gelernten Inhalte sind in wenigen Stunden wieder aus deinem Gedächtnis verschwunden. Sie bleiben nicht einmal bis zur Prüfung dort haften. (Texas A&M University )
Und es kommt noch schlimmer: Durch den Schlafmangel fällt deine Leistungsfähigkeit auf ein bedrohlich niedriges Niveau. Du kannst dich schlechter konzentrieren als sonst, benötigst mehr Zeit für die Verarbeitung neuer Reize und deine Reaktionsfähigkeit nimmt ab (Neuropsychiatric Disease and Treatment ). Wie willst du in diesem Zustand eine erfolgreiche Prüfung ablegen?
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Was stattdessen hilft
In der Nacht vor der Prüfung solltest du nicht lernen - sondern schlafen. Mit einem ausgeruhten Geist agierst du automatisch schneller und kannst besser denken. Super Tipp, ich weiß. Falls du vor dem Schlafen doch noch etwas für deine Prüfung tun möchtest, dann lerne keine neuen Inhalte, sondern versuche Folgendes.
Erstelle ein Global Picture
Viele Studierende lernen die Prüfungsthemen getrennt voneinander. Erst Kapitel eins, dann Kapitel zwei und so weiter. Grundsätzlich spricht nichts gegen dieses Vorgehen, aber noch wichtiger ist es, die Themen zu verbinden. Bringe die einzelnen Inhalte also in einen übergeordneten Zusammenhang und erstelle ein sogenanntes Global Picture. Wie sind die Themen miteinander verbunden? Welche Bereiche bauen aufeinander auf? Wie ist die Struktur der gesamten Vorlesung gestaltet? Wenn du das Global Picture deines Prüfers oder deiner Prüferin im Blick behältst, verstehst du die Idee hinter den kommenden Prüfungsaufgaben schneller und holst mehr Punkte.Schreibe einen Spickzettel
Hand aufs Herz: Hast du schon einmal einen Spickzettel geschrieben? Ich auch. Und hast du dir diesen Zettel vor der Prüfung auch so oft angeschaut, dass du ihn fast auswendig konntest? Genau darauf möchte ich hinaus. Auf einem Spickzettel fasst du die zusammengefasste Zusammenfassung deiner Zusammenfassung zusammen. Dieser Prozess der Komprimierung in Kombination mit dem ständigen Wiederholen kann einen starken Lerneffekt haben. Darum: Schreibe für die nächste Prüfung den besten und präzisesten Spickzettel, den du jemals erstellt hast. Sieh dir den Spickzettel gut an, ruhig mehrmals, nimm ihn mit zur Prüfung - aber benutze ihn nicht. Mach alles, was zum Spicken dazu gehört, aber verzichte auf den letzten Schritt: Betrüge nicht.Entwickle einen Matchplan
Der Begriff Matchplan hat seinen Ursprung in der Sportwelt und beschreibt die strategische Ausrichtung eines Teams für den anstehenden Wettkampf: Wie greifen wir an? Was macht der Gegner? Mit welcher Taktik können wir darauf reagieren? Dieses Prinzip kannst du für deine bevorstehende Prüfung nutzen. Plane dazu deinen Prüfungstag und versuche, den Verlauf deiner Prüfung vorherzusagen: Wie wird dein Tag ablaufen? Wann geht es los? Mit welchen Fragen rechnest du? Wie wirst du auf diese Fragen reagieren? Was tust du, wenn du an einer Stelle nicht weiterkommst? Was ist dein Plan B? Sobald dein Matchplan steht, bist du automatisch entspannter und sparst zudem kostbare Zeit während der Prüfung, weil du auf viele Eventualitäten vorbereitet bist.
Preisabfragezeitpunkt
17.10.2026 09.32 Uhr
Keine Gewähr
Fazit
Wenn du kurz vor deiner nächsten Prüfung stehst, dann tue dir selbst einen Gefallen und gönne dir ausreichend Schlaf. Es bringt nichts, in der Nacht vor der Prüfung zu lernen. Lass es einfach. Du wirst nicht nur schwindelerregend wenig neue Informationen aufnehmen können, sondern zerstörst auch deine Konzentrations- und Leistungsfähigkeit am Prüfungstag. Versuche stattdessen, frisch und gut organisiert zum Prüfungstermin zu erscheinen. Mach dich nicht durch hektische Last-minute-Lernsessions verrückt. Beruhige deinen Geist und gehe deine Herausforderung in bester Verfassung an.
Viel Erfolg bei deiner nächsten Prüfung - und vor allem: gute Nacht!