»NICHT ALLE SIND FÜR DEN KRIEG« - DER SPIEGEL
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leben »NICHT ALLE SIND FÜR DEN KRIEG«

• aus UNI SPIEGEL 2/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eric Christensen, 20, aus Chicago studiert seit Oktober 2002 Informatik an der TU Darmstadt.

UniSPIEGEL: Deutsche Demonstranten rufen »Bush in den Busch« und zeigen den US-Präsidenten auf einem Fahndungsfoto wie einen Verbrecher. Beleidigt dich das als Amerikaner?

Eric: Nein, ich finde es ganz witzig. In den USA habe ich Ähnliches gesehen. Wie viele Amerikaner bin ich gegen den Krieg. Ohne Uno-Mandat hätte Bush den Irak nicht angreifen dürfen - zumal keine Bedrohung für die USA besteht.

UniSPIEGEL: Sind die Deutschen seit Beginn des Krieges anders zu dir?

Eric: Ich habe schon Leute getroffen, die dachten, alle Amerikaner seien für den Krieg. Aber selbst die waren nicht unfreundlich oder gar feindselig zu mir. Als ich denen gesagt habe, dass ich gegen Bushs Vorgehen bin, waren sie ein bisschen geschockt. Ich hoffe, die Deutschen merken, dass in den USA nicht alle für den Angriff sind, sondern höchstens eine knappe Mehrheit. Bush und seine Administration sind es, die den Krieg vorantreiben. Aber wir unterstützen unsere Truppen und hoffen, dass alle Soldaten gut wieder heimkehren.

UniSPIEGEL: Hast du demonstriert?

Eric: Nein. Einmal war hier eine Kundgebung, aber da hatte ich viel zu tun. Später wollte ich dann doch noch hingehen und sie mir anschauen, aber da war sie schon vorbei. Selbst mitzulaufen ist nicht so meine Sache.

UniSPIEGEL: Findest du es richtig, dass die Amerikaner von ihren deutschen Flugplätzen an den Golf starten dürfen?

Eric: Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube eher, man sollte es ihnen nicht verbieten. Von den Airbases in Deutschland hängt der Krieg nicht ab, Amerika hat genug Stützpunkte auf der ganzen Welt.

UniSPIEGEL: Aber das erhöht die Gefahr für Deutschland, zum Ziel von Terroranschlägen zu werden.

Eric: Ein Risiko gibt es immer. Aber man sollte sich nicht zu viele Sorgen machen. Ich jedenfalls versuche, mein Leben ganz normal weiterzuleben.

UniSPIEGEL: Glaubst du, dass die deutsch-amerikanische Freundschaft langfristig zerstört ist?

Eric: Es ist eine meiner größten Sorgen, wie sich die internationalen Beziehungen weiter entwickeln werden. Die USA haben die Vereinten Nationen mitgegründet, um Kriege zu verhindern, und jetzt handeln sie selbst ohne Uno-Mandat. Ich hoffe, dass ein Demokrat die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr gewinnt. Er würde sicherlich versuchen, die Führungsrolle der Uno wiederherzustellen.

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