SEX AND THE UNI - DER SPIEGEL
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denk mal! SEX AND THE UNI

• aus UNI SPIEGEL 2/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer die Liebe studieren will, geht nach Frankreich. Oder vielleicht noch nach Italien. Aber ein Auslandssemester in Sachen Sex in den USA? Okay, es gibt da Julia Roberts und Nicole Kidman (für Frauen: Brad Pitt und George Clooney), doch welcher Student trifft die schon? Und dann war da noch die Sache mit dem Praktikum im Weißen Haus. Aber was für eine Staatsaffäre die aus dem bisschen Zigarrenspiel gemacht haben. Spricht nicht gerade für hochrangige Sexpertise in den Vereinigten (!?) Staaten. Und der eine Bewerber um den Posten im Oval Office - oh Gott. Al Gore küsste beim Präsidentschaftswahlkampf vor allen Leuten melodramatisch die eigene Frau. Das war's dann wohl. Oder? Alles Tarnung. Jetzt ist es herausgekommen. Die einzig verbliebene Supermacht bildet in aller Stille ihre Jungs und Mädels zu Sexbomben aus, um dann den Rest der Welt ... na ja, man muss das Schlimmste fürchten. An den Elite-Unis von Harvard bis Chicago unterweisen die Amerikaner die Jugend im Gebrauch ihrer Genitalien in Kursen wie »Erotik als Macht«. Bei erfolgreicher Teilnahme gibt es vier Punkte fürs Examen. In Berkeley lief das Projekt unter dem Code-Namen »Demokratische Erziehung«, weil dabei erfahrene Studenten als Dozenten agieren dürfen - klar, nicht jeder Professor ist den Anforderungen des Sex-Unterrichts gewachsen. Aufgeflogen ist das Ganze nämlich, weil die Klasse zum abschließenden Höhepunkt einen Strip-Club für Schwule besuchte und ihre Lehrmeister dort auf offener Bühne Sex miteinander vorführten. Zur Auflockerung hatten die Dozenten ihre Eleven vorher zu sich nach Hause eingeladen und dort schnell noch eine kleine Sex-Orgie veranstaltet. Nachdem die Campus-Zeitung die außerakademischen Aktivitäten genüsslich ausgebreitet hatte, gab es das übliche heuchlerische Entsetzen der Universitätsleitung nebst dem Versprechen der brutalstmöglichen Aufklärung. Von wegen. Natürlich werden sie es weiter treiben an der Sex-Front, die Amis - und sie werden dabei unsere uneingeschränkte Solidarität erleben. Wo gibt es schließlich ein ähnlich ambitioniertes Projekt an deutschen Unis? Der akademische Nachwuchs aus Schröder-Land ist ja geradezu gezwungen, Sex an US-Unis zu studieren. Auch das noch, nach dem Pisa-Schock.

Michael Schmidt-Klingenberg
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