Satire / Im Familien-Gefängnis Spielplatz der Großen
Jeden Tag sitzen sie auf derselben Bank und reden unentwegt über ihre Kinder, die vor ihnen auf dem Spielplatz im Sand buddeln. Jedes Bäuerchen erschüttert die Welt dieser Frauen. Nur eine von ihnen, Sarah, schweigt und beobachtet ihre kleine Tochter wie ein exotisches Wesen. Dann wird es plötzlich still. Ein gutaussehender Mann hat mit seinem Sohn den Spielplatz betreten. Die Frauen betrachten ihn begehrlich. Sarah steht auf, geht zu ihm hin, stellt sich ihm vor - und küsst ihn vor den Augen der anderen. Der Spielplatz erscheint in Todd Fields Film »Little Children« als ein Ort der unbegrenzten Möglichkeiten. Hier siegt die Phantasie über die Wirklichkeit, hier macht eine Frau in einer Sekunde wahr, wovon die meisten ein Leben lang träumen. Eigentlich wollte Sarah (Kate Winslet) ihren Freundinnen nur zeigen, dass sie mehr Mut hat als alle zusammen, doch mit dem Kuss auf den Mund des Fremden (Patrick Wilson) beginnt eine leidenschaftliche Affäre.
Field entwickelt aus einer Mittelstands-Satire einen Liebesfilm. Wie Douglas Sirk in seinen Melodramen erzählt er von der Rebellion der Gefühle im provinziellen Amerika und von unerfüllten Sehnsüchten in einer saturierten Existenz. So wird »Little Children« immer mehr zu einem spannenden Gefängnisfilm, bei dem der Zuschauer bangt, ob den beiden Helden der Ausbruch in ein neues Leben gelingen wird.