STUDIENORT: BAYREUTH - DER SPIEGEL
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DIE JUNGE UNIVERSITÄT ZWISCHEN FRÄNKISCHER SCHWEIZ UND FICHTELGEBIRGE BIETET STUDIENGÄNGE JENSEITS DER ÜBLICHEN GRENZEN.
• aus UNI SPIEGEL 3/2001
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1. Die Universität

Das Angebot der 26 Jahre jungen Hochschule lässt viel Raum für exotische Fächerkombinationen: Interdisziplinarität wird groß geschrieben an der Universität Bayreuth. Wer mag, kann zum Beispiel französische Literatur zusammen mit Webdesign studieren.

In die erst Ende 1998 errichtete Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften flossen etwa 140 Millionen Mark aus Privatisierungserlösen der »Offensive Zukunft Bayern«, einem Lieblingskind der Münchner Staatsregierung. Die Geisteswissenschaften legen einen besonderen Schwerpunkt auf Afrika, und im neu eingerichteten Master-Studiengang Etudes Francophones lehrt zurzeit der kongolesische Professor Mukala Kadima-Nzuji, der als einer der kundigsten Experten für außereuropäische Literatur in französischer Sprache gilt.

2. Die Stadt

Bayreuth hat gerade einmal 74 000 Einwohner. Klein? Das kommt auf den Blickwinkel an. Bayreuth ist immerhin die neuntgrößte Stadt in Bayern, die fünftgrößte Stadt in Franken und - irgendwie tröstlich - die größte Stadt in Oberfranken! Das Bild wird geprägt von einem Mix aus historischer Altstadt, vollklimatisiertem Einkaufstempel und idyllischen Parkanlagen. Ganz in der Nähe liegen die Feriengebiete der Fränkischen Schweiz und das Fichtelgebirge.

3. Wohnen

Seit dem Neubau der Wohnheime Am Kreuzstein und Frankengut am Campus hat sich die Wohnungslage in Bayreuth klar entspannt. Die Zimmer in den insgesamt elf Wohnheimen - alle mit eigenem Bad und viele mit Internet-Anschluss - kosten meist zwischen 200 und 350 Mark. Wenn es ein bisschen mehr sein darf: Für vierstellige Monatsmieten kann man in exklusiver Nachbarschaft zur Grabstätte von Richard und Cosima Wagner residieren. In der Wohnanlage am Hofgarten neben dem Haus Wahnfried ist nicht nur der künstlerische Genius loci, sondern auch der Tiefgaragenplatz im Preis inbegriffen.

4. Essen und Trinken

In der Mensa auf dem Campus stehen drei Gerichte zur Auswahl, dazu diverse Beilagen und Nachtische. Abends sieht das Angebot in Uni-Nähe allerdings mau aus: Es gibt keine einzige Kneipe. Dafür lockt in der Innenstadt eine bunte Auswahl von rund 40 Studentenkneipen. Besonders beliebt sind die Biergärten, in denen reichlich Hefeweizen fließt. Der Herzogkeller bietet mit seiner original erhaltenen Bierhalle, die von uralten Bäumen beschattet wird, eine wunderbare Kulisse für einen lauen Sommerabend.

5. Ausgehen

Das Glanzstück der Uni ist das »Glashaus": Feiern und Veranstaltungen von Studenten (nicht nur) für Studenten finden in einem ehemaligen Gewächshaus statt, der Andrang ist gewöhnlich groß. An ein volles Haus sind auch die »Schwarzen Schafe« gewöhnt; das studentische Theater-Ensemble tritt ebenfalls im »Glashaus« auf.

Nach der Schließung des »Reichshofs« - unvergessen für seine von Trekkies überlaufenen »Star Trek«-Premieren - ist das Multiplex-Kino inzwischen das einzige Lichtspielhaus der Stadt. Diese Monopolstellung wirkt sich verheerend auf Eintrittspreise (zu hoch) und Filmauswahl (zu banal) aus.

6. Die Bayreuther Festspiele

Bayreuth hat nicht vier, sondern fünf Jahreszeiten. Zur Festspielzeit, von Ende Juli bis Ende August, erkennt man die Stadt kaum wieder. Bäckereifilialen verwandeln sich in mondäne Schuhgeschäfte, die Auslagen schimmern und glitzern, und das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel wird zum Zentrum von Zeit und Raum.

Die meisten Studenten und Einheimischen lässt der Rummel ziemlich kalt, wer aber eine Eintrittskarte ergattern möchte, hat es schwer. Studentinnen können sich als »blaues Mädchen« bewerben, um als Platzanweiserin und Programmverkäuferin wenigstens der Musik lauschen oder je nach Stehplatz sogar etwas sehen zu können. Der langwierigste Weg, an Karten zu gelangen, führt über die offizielle Warteliste - so vergehen etwa sieben Jahre, bis man zum Zuge kommt. Schneller kann es auf dem Schwarzmarkt rund um das Festspielhaus gehen. Manchmal werden im Lauf einer Aufführung auch Plätze von Besuchern frei, denen im unklimatisierten historischen Zuschauerraum schlecht geworden ist. OLAF STOCKER

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