studieren STUDIENORT: DRESDEN
1. Die Universität
Die Sachsen gelten gemeinhin als reiselustiges Volk. Zum Studium allerdings bleiben sie lieber in vertrauter Umgebung. Fast zwei Drittel der 25 000 Studierenden der Technischen Universität (TU) Dresden stammen aus Sachsen, knapp die Hälfte sogar aus Dresden und Umgebung. Doch auch wer aus dem Westen zum Studium kommt, wird es kaum bereuen - vor allem die technischen Fächer genießen einen guten Ruf. Professoren empfehlen besonders Maschinenbau und Informatik, aber in den Geisteswissenschaften kam die TU Dresden beim letzten SPIEGEL-Ranking ebenfalls gut weg. In Geschichte belegte sie einen der Spitzenplätze.
Angehende Verkehrswirte haben ohnehin keine Wahl: Der Studiengang wird an keiner anderen Uni angeboten.
Der Kontakt zwischen Studierenden und Profs ist für eine Großstadt mit fast einer halben Million Einwohnern erstaunlich eng. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass lediglich 14 Prozent während des Studiums ihr Fach wechseln und dass in Dresden mit hoher Geschwindigkeit studiert wird: 96 Prozent machen ihren Abschluss innerhalb der Regelstudienzeit.
2. Die Stadt
Die Dresdner halten ihre Stadt mit der renovierten barocken Pracht für die schönste in Deutschland. Und in Europa lassen sie sich allerhöchstens mit Florenz vergleichen. Das vornehmste Ziel der Stadtplanung ist, Dresden so wieder herzustellen, wie es vor der Bombardierung im Februar 1945 aussah. Mit Millionenaufwand werden das Stadtschloss und die Frauenkirche wieder aufgebaut. Drumherum soll möglichst nichts mehr an die Gegenwart oder gar die jüngere realsozialistische Vergangenheit erinnern. Bisweilen wirkt das provinziell - moderne Architektur wird nur abseits der historischen Gevierte geduldet. Dresden bleibt eine Residenzstadt, keine Universitätsstadt.
3. Wohnen
In Dresden muss Wohnen auch für Studenten kein unerschwinglicher Luxus sein. Das Angebot an saniertem Altbau und an Neubauwohnungen übersteigt die Nachfrage bei weitem - dank großzügiger Fördermittel und Sonderabschreibungen. Zudem bekommen Studenten, die ihren ersten Wohnsitz nach Dresden verlegen, ab dem kommenden Sommersemester noch 500 Mark Umzugsprämie von der Stadt.
Von den Dresdner Mietpreisen können Studierende in manch einer vergleichbaren westlichen Uni-Stadt nur träumen: Selbst in schmucken Gründerzeitvierteln wie Striesen oder Löbtau liegt die Kaltmiete selten über 11 Mark pro Quadratmeter für WG-taugliche Wohnungen in modernisierten Altbauten. Im Szene-Stadtteil Äußere Neustadt ist man oft schon mit zehn Mark dabei. Die 9700 Plätze in den Dresdner Studentenwohnheimen sind denn auch meist nur zu Beginn des Semesters ausgebucht. Die Wohnheimplätze ab 120 Mark werden vom Studentenwerk vermittelt.
4. Die Studentenclubs
Dresden verfügt über die im bundesweiten Vergleich wahrscheinlich höchste Studentenclub-Dichte. In der DDR gehörte zu jedem Wohnheim ein Raum, in dem der akademische Nachwuchs unter Anleitung der FDJ einen draufmachen konnte. Das Bier war billig, und den Soundtrack zur Party lieferten meist die Puhdys oder Karat. In Dresden haben immerhin 17 von 22 dieser ganz speziellen Kneipen die Wende überlebt. Sie werden heute ehrenamtlich von Studenten am Leben gehalten, das Bier gibt's immer noch für konkurrenzlose drei Mark. Zwei Studentenclubs fallen aus dem Rahmen. Die Neue Mensa bietet regelmäßig Rock-Konzerte, die auch bei Nichtstudenten beliebt sind. Der Bärenzwinger, mitten in der Altstadt unter den Brühlschen Terrassen gelegen, ist wohl Dresdens schönster Studentenclub. Im Juni schlug allerdings sein vorerst letztes Stündlein als Veranstaltungsort für Musik-Events. Die Evangelisch-reformierte Gemeinde, Besitzerin der Räumlichkeiten, befand die Konzerte und Disco-Abende für ruhestörend und ließ den Club per Gerichtsbeschluss zwangsräumen.
Inzwischen ist jedoch ein alternativer Standort in Sicht: Die Club-Besitzer verhandeln derzeit mit der Stadt Dresden über eine ehemalige Schwimmhalle als Ausweichquartier.
5. Kultur
Es muss nicht immer Semperoper sein. Theater gibt es für fast jeden Geschmack, in der Fabrikhalle, im Neustadt-Hinterhof, im Schauspielhaus oder im Schloss - modern, provokativ, gesittet, verzopft und kommerziell. Dresden ist auch Jazz, nicht nur beim bierseligen Dixielandfestival, das jedes Jahr im Mai gut eine Woche lang die ganze Stadt ein wenig New Orleans spielen lässt, sondern vor allem in der »Tonne« - schon zu DDR-Zeiten ein berühmter Jazz-Keller. In früheren Fabrikhallen am äußersten nördlichen Rand der Äußeren Neustadt gibt es Independent-Clubs.
6. Ausgehen
Wer die Louisenstraße in der Äußeren Neustadt entlangbummelt und vielleicht mal links und rechts in die Nebenstraßen einbiegt, könnte Dresden fast für eine pulsierende Stadt mit abwechslungsreichem Nachtleben halten: Hier reiht sich Kneipe an Café, Bar an Restaurant. Doch spätestens wenn man die Elbe in Richtung Süden überquert, ist sie wieder da - die verschlafene Landeshauptstadt. Höchstens in den Bars der Nobelhotels ist nach Mitternacht noch Leben in der Altstadt.
ANDREAS WASSERMANN
DRESDEN-INFOS
Einwohner: 471 000
Studierende: 25 000
Internet: www.tu-dresden.de
Immatrikulationsamt: Tel. 0351/463-4204
Zentrale Studienberatung: Tel. 0351/463-6063, 463-6096
Wohnheimplätze: 9700, Vermittlung über das Studentenwerk: Tel. 0351/4697-616, 4697-608