studieren STUDIENORT KIEL
1. Die Universität
Wer nah am Wasser studieren will, ist in Kiel richtig. Die 1665 gegründete Christian-Albrechts-Universität (CAU) pflegt den Kontakt über das Meer hinweg mit Skandinavien und dem Baltikum. Wie es unter Wasser aussieht, erkunden die Kieler Meeresforscher in Tiefe und Breite, etwa im Institut für Meereskunde, im Forschungszentrum für marine Geowissenschaften (GEOMAR) oder im Forschungs- und Technologiezentrum Westküste in Büsum (FTZ).
Was mit dem »norddeutsch unterkühltem Charme« gemeint ist, verstehen neue Studenten meist, sobald sie vor den Gebäuden der Universität stehen. Die sind allesamt etwas verloddert und spröde, grau und trist. Die Zentralbibliothek ist erst vor kurzem in einen futuristischen Betonklotz mit schräg stehender Verglasung umgezogen, die den Blick auf ein Tiergehege mit grasenden Schafen freigibt.
2. Wohnen
Da die Stadt durch die Förde geteilt ist, müssen sich Neuankömmlinge entscheiden, wo sie vor Anker gehen wollen - im Osten oder im Westen?
Vom Ostufer berichten Studenten mit Kiel-Erfahrung ihren wohnungssuchenden Kommilitonen wie von einem unbekannten Land, über das sich hartnäckig das Gerücht hält, dort liege der »soziale Brennpunkt« der Stadt - das Sammelbecken für Kriminelle, Drogendealer und Punks.
Aber wer die angesagten Kneipen oder das Shopping-Zentrum gleich um die Ecke haben will, zieht ohnehin nicht »auf die andere Seite«. Außerdem ist die Fahrt aus den Ost-Wohnvierteln zur Uni, die im Nordwesten der Stadt liegt, mit dem Fahrrad viel zu lang und mit dem Bus viel zu umständlich. Das Studentenwerk bietet insgesamt 1793 Wohnheimzimmer an. Die Miete liegt zwischen 250 und 400 Mark. Die Schönheit von Kiel, muss warnend gesagt werden, liegt nicht in der Architektur der Stadt, sondern doch zuvörderst an der Förde-Lage.
3. Kneipen-Kompass
In direkter Nähe zur Uni gibt es nur wenige Kneipen - an der Küste auch »Spelunken« genannt. Fest in Studentenhand sind das »Oblomow«, das »Frizz« und das »Viva«, von dem aus sich wunderbare Auffahrunfälle beobachten lassen.
Die Kieler Kneipendichte ist insgesamt erfreulich hoch, die Namen der Lokale klingen oft anspruchsvoll: Im »Einstein«, »Voltaire«, »Kafka«, aber auch im »Heinrich VIII.« trinken Studenten ihr Bier. In die »Sportsbar« zieht es vor allem Sportfans. Der Rest der Studenten trifft sich in der »Erbse«, »Bazille«, »Kulisse«, im »Storchennest« oder oder oder. Im Sommer steuern die Kieler am liebsten die »Forstbaumschule« an - den angeblich größten Biergarten nördlich der Elbe.
4. Kino und Kultur
Die neuesten Filme werden im Multiplex-Kino Cinemaxx gezeigt. Ein eher alternatives Programm bieten die Kinos in der »Pumpe« und der »Traumfabrik«. Das Campus-Kino wird von Studenten für Studenten gemacht.
Im Opernhaus der Landeshauptstadt wird von Ballett und Musical bis Oper und Operette ein abwechslungsreiches Programm auf die Bühne gebracht. Liebhaber klassischer Musik kommen auch im Konzertsaal am Kieler Schloss auf ihre Kosten. Und viel Theater für wenig Geld bietet das Schauspielhaus in Uni-Nähe.
Kulturausflüge etwa zum Wikinger Museum Haithabu in Haddeby oder zum davon nur wenige Kilometer entfernten Schloss Gottorf in Schleswig lohnen sich. Vor den dort ausgestellten Moorleichen gruseln sich nicht nur Kinder gern. Und in der Rokoko-Abteilung ist die Fayence-Sammlung des Verlegers Axel Springer zu betrachten.
5. Nachtleben
Die »Kieler Woche« im Juni ist ein Muss für jeden Studenten. Denn während des größten Segelsportereignisses der Welt herrscht vom Zentrum bis zum Landeshaus »Party überall«. In die Uni verirrt sich in der Zeit kaum jemand.
Beliebt ist auch das CAP, ein Veranstaltungspalast mit vollem Programm, der direkt neben dem Bahnhof liegt. Geboten wird hier mit Blick aufs Wasser: ein Fitness-Center, das Cinemaxx, Discotheken und Restaurants.
Wer lieber zocken will, um sein Bafög aufzubessern, kann das im Casino am Schwedenkai tun. Nicht weit davon entfernt beginnt Kiels Rotlichtviertel mit dem siffigen Ambiente einer Hafenstadt.
Zum Tanzen, Flirten und Abschleppen geht es in die altbekannten und beliebten Studenten-Discotheken: ins »MAX«, in die »Traumfabrik«, das »Tamen-T« oder das »Tucholsky«. Als Nobel-Schuppen gelten das »Nachtcafé« und das »Velvet«.
6. Wasser und Meer
Sonne, Wind, Wellen - und die Wissenschaften sind vergessen. Bikini und Badehosen werden mit in die Seminare geschleppt, und die Surf-Freaks kommen mit ihren Brettern auf dem Kleinbus zur Uni. Im Sommer geht es nach den Vorlesungen direkt an den Strand - nach Falkenstein, Schilksee, Krusendorf oder Dänisch Nienhof. Die angesagten Surf-Reviere sind Heidkate und Schönberg. Wer Abwechslung zur Ostküste braucht, ist mit dem Auto in rund eineinhalb Stunden an der Nordsee: in Büsum, St. Peter-Ording, Eesch oder am Meldorfer Hafen.
Die Uni hat ein eigenes Segelsportzentrum in Schilksee. Dort gibt es preiswerte Kurse, in denen aus Landratten gute Skipper gemacht werden. Wer lieber rudert, lernt das beim Akademischen Ruderverein.
Entlang der Förde lässt es sich prima Inlineskates fahren. Und wer vom Kieler Ufer auch mal ablegen will, der bucht einen Trip mit einer der Fähren. Die »Stena Line« schippert täglich nach Göteborg, mit der »Color Line« geht es nach Oslo. NINA DAEBEL