studieren STUDIENORT: MARBURG
1: Die Universität
Knapp 50 Prozent der Marbuger Studenten stammen aus Hessen und haben ihre Uni aus einer Mischung aus Bequemlichkeit und Heimatverbundenheit gewählt. Die meisten anderen schickt die ZVS an die Lahn.
Doch es lohnt, auch freiwillig an die Philipps-Universität zu kommen. Beim SPIEGEL-Ranking im vergangenen Jahr landete Marburg in den meisten Fächern zu- mindest im Mittelfeld. Von Professoren empfohlen wurden vor allem die Fächer Psychologie, Anglistik, Pädagogik und Biologie. Die relativ kleine Uni bietet übersichtliche Fachbereiche. Die Gefahr, im Massenbetrieb verloren zu gehen, besteht kaum - Grund für die im bundesweiten Vergleich kurzen Studienzeiten.
Nur einmal, als 1993 nahezu alle deutschen Universitäten - außer Marburg - eine Zulassungsbeschränkung für Rechtswissenschaften einführten, herrschte Ausnahmezustand an der juristischen Fakultät. Mehr als 1000 Erstsemester nutzten den freien Zugang zu ihrem Wunschfach, jede Vorlesung musste im Audimax mehrfach gehalten, die Studenten mussten in Gruppen eingeteilt werden, damit überhaupt alle eine Chance hatten, sie zu hören.
2: Die Stadt
»Andere Städte haben eine Universität, Marburg ist eine Universität«, hieß es schon in einem Roman aus dem vorigen Jahrhundert. Daran hat sich nichts geändert.
Wer in Marburg wohnt, ist Student, Uni-Bediensteter oder Mitarbeiter der Behring-Werke. Studenten sind überall. Das hat den Vorteil, dass man mit den neuen Bekannten aus dem Proseminar nicht gleich Telefonnummern austauschen muss. In der Mensa, in der Altstadt, beim Shopping im einzigen Kaufhaus am Ort oder in der Uni-Bibliothek sind sie sowieso wieder. Jeden Tag. Und jedes Lokal ist eine Studentenkneipe.
3: Wohnen
Am schönsten wohnt es sich in einem der Fachwerkhäuser in der Oberstadt - wenn auch nicht mit höchstem Komfort: Viele Wohnungen sehen aus, als seien sie seit dem Hausbau nicht mehr renoviert worden. In beliebten Gegenden wie Oberstadt und Südviertel ist das Angebot nach wie vor knapp. Ausweichmöglichkeiten bieten die Ortsteile Cappel und Wehrda - dort hält immerhin der Stadtbus.
Wer sich noch nicht auskennt, zieht oft aus Versehen nach Ebsdorfergrund, Dagobertshausen, Moischt oder Schröck - und bereut das ziemlich schnell. WG-Zimmer zwischen 250 und 450 Mark findet man über das schwarze Brett in der Mensa oder im Wochenmagazin »Express«, Wohnheimzimmer vermittelt das Studentenwerk.
4: Die Mensa
Die Hauptmensa an der Lahn wird gerade umgebaut. Da gibt es jetzt »Free Floating Zones« und »Front-Cooking- Areas«, das heißt, man kann den Köchen dabei zuschauen, wie sie in großen Töpfen rühren oder Spinatröstlinge wenden. Neuerdings gibt es sogar Teller, und die alten Kunststofftabletts mit den Mulden, in die bis vor kurzem das Essen geklatscht wurde, gibt es jetzt beim Studentenwerk zu kaufen. Für Mediziner und Naturwissenschaftler steht auf den Lahnbergen ein weiteres Mensa-Gebäude aus Glas und Holz, wo es schon immer Teller gab.
Gezahlt wird mit dem »U-Key«, einem kleinen roten Schlüssel, der die Funktion einer Geldkarte hat.
5: Die Kinos
Für eine Stadt von Marburgs Größe bieten die neun Kinosäle eine gute Auswahl. Neue Filme laufen mit dem Bundesstart an, in der »Kammer« am Steinweg sind auch ungewöhnliche Produktionen zu sehen. Mittwochs wird auf der Mensa-Brücke das neue Kinoprogramm verteilt, im Sommer gibt es Open-Air-Kino auf der Schlossparkbühne. Das letzte Raucherkino macht allerdings demnächst dicht. Dafür entsteht auf dem alten Schlachthofgelände ein Cinemaxx.
6: Die kurzen Wege
Wer nicht gerade Student der Medizin oder der Biologie ist und deswegen in den rund sechs Kilometer vom Stadtkern entfernten Neubauten auf den Lahnbergen studieren muss, kann alle wichtigen Orte zu Fuß erreichen. Mensa, philosophische Fakultät, Jura-Gebäude, Audimax, Uni-Bibliothek und Studentensekretariat trennen jeweils etwa fünf Minuten Fußweg. Das spart lange Anfahrtswege und schafft Zeit fürs Studium.
7: Das Kulturprogramm
Das kulturelle Angebot sollte vielleicht nicht den Ausschlag geben, nach Marburg zu kommen. Wenn man aber sowieso da ist: So schlecht ist es gar nicht. In der Stadthalle Marburg spielt das Hessische Landestheater, außerdem gibt es das Theater am Schwanhof und Aufführungen in der Waggonhalle. Im »KFZ«, dem Kultur- und Freizeitzentrum, gibt es immer mal wieder nette kleine Konzerte, zum Beispiel von »Tocotronic«, »Blumfeld« oder den »Sternen«.
8: Ausgehen
Legendär ist das »Café Barfuß« in der Barfüßerstraße, wo man sich aus einem Haufen Zutaten seinen persönlichen Auflauf zusammenstellen kann; ziemlich neu, angesagt und voller Wirtschaftsstudenten sind die Cocktailbars »Mexicali« und »Havana«. Letzteres ist nicht zu verwechseln mit dem »Havanna acht«, dem letzten Refugium der Marburger Altlinken, die nun auch aus dem Asta gewählt wurden. Getanzt wird im »Kult« und im »PAF«, dort allerdings zusammen mit der mittelhessischen Dorfjugend. Um ein Uhr ist in Hessen Sperrstunde. Wer davon überrascht wird, bekommt meist im »Delirium« am Steinweg noch was zu trinken. Frühmorgens hat nur noch die »Club Lounge« im neuen Sorat Hotel geöffnet.
9: Das Semesterticket
Ist im Semesterbeitrag von 207,90 Mark enthalten und erleichtert im Bedarfsfall die Flucht aus Marburg. In nördlicher Richtung geht's damit im Nahverkehr bis nach Kassel, nach Süden gilt das Ticket im gesamten Rhein-Main-Verkehrsverbund. Das reicht schon bis Frankfurt - der Interregio braucht dafür eine Stunde. JULIA KOCH
MARBURG-INFO
Einwohner: 77 000
Studierende: 18 000
Internet: www.uni-marburg.de
Studentensekretariat: 06421/28-26182
Zentrale Studienberatung: 06421/28-26004
Wohnheimplätze: 2200, werden über das Studentenwerk vermittelt: 06421/2960
Weitere Tipps stehen im »Marbuch«, Marbuch Verlag, Marburg, 24,80 Mark.