Versicherungen Aus Schaden klug? So sichern sich Berufseinsteiger gut ab
Unfall, Hausrat, Haftpflicht - welche Versicherungen brauchen Berufseinsteiger wirklich?
Christoph Kleinstück / DER SPIEGEL
Endlich ist er da: der erste richtige Job. Wer nach Studium oder Ausbildung finanziell auf eigenen Beinen steht, der muss sich auch vernünftig versichern. Denn während Schülerinnen und Schüler sowie Studierende häufig noch über ihre Eltern geschützt sind, endet beim Berufseinstieg der Zustand der Mitversicherung. Damit im Schadensfall nicht der finanzielle Ruin droht, ist es wichtig, sich zumindest gegen existenzbedrohende Risiken abzusichern. Wir erklären, welche Versicherungen elementar sind - und welche noch warten können.
Welche Versicherungen sind unverzichtbar?
Krankenversicherung: Die Krankenversicherung ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben und kommt für medizinische Behandlungskosten auf. Schüler und Studierende haben oftmals bis zum 25. Lebensjahr die Möglichkeit, kostenfrei über ihre Eltern mitversichert zu bleiben. Es gibt einen festen Krankenkassenbeitrag, der vom Einkommen abgezogen wird. Die einzelnen Kassen erheben jedoch Zusatzbeiträge, die unterschiedlich ausfallen. Aktuell zahlen sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung 14,6 Prozent ihres Bruttolohns, plus den eventuellen Zusatzbeitrag ihrer Kasse. Die Hälfte davon übernimmt der Arbeitgeber.
Der Grundstock der medizinischen Versorgung ist bei jeder Krankenkasse gleich und vorgeschrieben. Je nach Anbieter gibt es verschiedene Zusatzleistungen, wie zum Beispiel Fitness- und Gesundheitskurse, Reiseimpfungen oder eine professionelle Zahnreinigung. Im Vorfeld zu vergleichen und sich zu erkundigen, welche dieser Leistungen am besten zu einem passen, ist daher ratsam.
Theoretisch haben Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger die Wahl zwischen der privaten und der gesetzlichen Krankenversicherung. Liegt das Gehalt über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (aktuell 62.550 Euro brutto pro Jahr), kommt eine private Krankenversicherung infrage, das ist bei Berufsanfängern allerdings die Ausnahme. Für angehende Beamte allerdings lohnt sich eine private Krankenkasse meistens, denn dann trägt der Staat einen Großteil der Krankheitskosten über die sogenannte Beihilfe.
Private Haftpflichtversicherung: Enorm wichtig! Wer Dritten versehentlich einen Schaden zufügt, muss dafür mitunter in voller Höhe aufkommen und mit Haus, Grundbesitz und dem gesamten Vermögen haften. Die Haftpflichtversicherung springt ein, wenn man aufgrund gesetzlicher Regelungen Schadensersatz zahlen muss, und schützt damit im Ernstfall vor dem finanziellen Fiasko.
Laut Experten sollte die Haftpflichtversicherung pauschal mindestens zehn Millionen Euro für Personen- und Sachschäden abdecken. Angebote starten ab etwa 50 Euro im Jahr. Übrigens: Obwohl diese Versicherung besonders wichtig ist, verzichten laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 17 Prozent aller deutschen Haushalte darauf. Bei den Singles sind es sogar 27 Prozent.
Welche Versicherungen sind außerdem sinnvoll?
Berufsunfähigkeitsversicherung: Wer gerade erst anfängt zu arbeiten, macht sich häufig noch keine Gedanken darüber, was passiert, wenn man durch eine Krankheit oder einen Unfall langfristig seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung bei Berufs- und Erwerbsunfähigkeit sind für Berufsanfängerinnen jedoch sehr gering. Deshalb ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll, die im Fall der Fälle eine monatliche Rente auszahlt.
Da sich bei Berufseinsteigern das Einkommen im Laufe der Jahre erhöht und der Versicherungsbedarf sich durch Heirat und Familienplanung verändert, sollte man beim Vertragsabschluss darauf achten, dass die Leistungen im Laufe der Jahre angepasst werden können - möglichst ohne erneute Gesundheitsprüfung. Gut zu wissen: Je jünger der Versicherte ist und je weniger riskant sein Beruf, desto geringer sind die Beiträge, weshalb sich ein früher Vertragsabschluss lohnt.
Welche Versicherungen können bei Bedarf nützlich sein?
Private Rentenversicherung: Bleibt am Monatsende etwas Geld vom Gehalt übrig und sind offene Schulden oder Studienkredite getilgt, wird es Zeit, sich über eine private Altersvorsorge Gedanken zu machen, die die gesetzliche Rente später aufstockt. Berechnungen zufolge wird die gesetzliche Rente im Jahr 2030 nur noch etwa 43 Prozent des Jahreslohns betragen. Wie sich das bis zu dem Zeitpunkt entwickelt, an dem die Generation heutiger Berufseinsteigerinnen in Rente gehen wird, lässt sich nicht verlässlich prognostizieren. Doch die Entwicklung zeigt, wie wichtig es sein kann, privat vorzusorgen.
Es gibt zahlreiche Anlageformen - welche die richtige ist, kommt ganz auf die Lebenssituation an. Möglichkeiten sind unter anderem Fonds, eine Betriebsrente oder ein Riester-Vertrag, bei dem der Staat Geld zuschießt.
Hausratversicherung: Ob man diese Absicherung benötigt, hängt davon ab, wie viel Geld in den aktuellen Hausstand geflossen ist. Wer mit der alten Jugendzimmerausstattung in die erste eigene Wohnung zieht und sich auch ansonsten erst einmal spärlich einrichtet, muss nicht unbedingt direkt seinen Hausstand versichern. Erst wenn teure Möbel, Elektrogeräte oder ein neues Fahrrad hinzukommen, kann sich diese Police lohnen - sie greift bei Schäden am Hausrat etwa durch Wasser, Feuer oder Diebstahl.
Unfallversicherung: Eine Unfallversicherung sichert Menschen nach einem Unfall ab, sofern sie durch diesen berufsunfähig werden. Sie ist für Berufseinsteiger meist nur dann interessant, wenn keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden kann, weil sie zu teuer ist oder man aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aufgenommen wird.
Auslandsreisekrankenversicherung: Die reguläre gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für ambulante und stationäre Behandlungen innerhalb der Europäischen Union und in jenen Staaten, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht. In der Regel werden aber keine privatärztlichen Leistungen oder der Krankenrücktransport nach Deutschland finanziert. Wer gern in ferne Länder verreist, sollte deshalb eine entsprechende Police abschließen, um im Krankheitsfall nicht auf den Behandlungskosten sitzen zu bleiben. Der finanzielle Aufwand für diese Versicherung ist überschaubar: Entsprechende Angebote gibt es bereits für unter zehn Euro im Jahr.
Risikolebensversicherung: Mit dieser Police sichert der Versicherungsnehmer Hinterbliebene für seinen Todesfall ab. Sie ist wichtig, wenn andere Personen vom Versicherungsnehmer finanziell abhängig sind, wenn er also zum Beispiel schon früh eine Familie gegründet hat.
Rechtsschutzversicherung: Die Rechtsschutzversicherung kann im Streitfall für Rechtsbeistands- und Gerichtskosten zahlen. Dementsprechend ist diese Police vergleichsweise teuer. Für die Lebensbereiche Privat, Beruf und Verkehr kostet sie je nach Versicherer zwischen 180 und 600 Euro im Jahr, was für viele Berufseinsteigerinnen erst mal eine hohe Investition ist.
Autoversicherung: Ohne Kfz-Haftpflichtversicherung wird in Deutschland kein Auto zugelassen. Neben der Kfz-Haftpflicht kann ein Vertrag auch eine Teil- oder Vollkaskoversicherung enthalten, die im Schadensfall entlastet.
Auf welche Versicherungen kann man verzichten?
Policen für den Verlust des Smartphones oder des Laptops kann man sich in der Regel sparen. Wenn es um Beträge wie einmalig 500 Euro geht, ist eine Absicherung zwar nett, aber nicht überlebenswichtig.
Worauf sollte man grundsätzlich beim Abschluss einer Versicherung achten?
Annabel Oelmann leitet als Vorständin die Verbraucherzentrale in Bremen. Für SPIEGEL Start hat sie einige Tipps zusammengestellt, was man vor und während eines Vertragsabschlusses beachten sollte:
Ein Angebot reicht oftmals nicht aus, um die beste und kostengünstigste Versicherung zu finden. Je nachdem, welche Versicherung abgeschlossen wird, bieten Vergleichsportale im Internet eine erste gute Orientierung. Wenn es jedoch darum geht, einen Vertrag abzuschließen, bei dem sich der Anbieter nicht einfach wieder wechseln lässt und der Sie ein Leben lang begleitet, ist es sinnvoll, eine unabhängige Beratungsstelle hinzuzuziehen. Das kostet zwar meist etwas, allerdings gibt es für Arbeitnehmerinnen je nach Bundesland häufig Bezuschussungen.
Sollten Sie es sich leisten können: Versicherungssumme jährlich anstatt monatlich oder quartalsweise bezahlen. Das ist in der Regel günstiger.
Policen nie sofort abschließen, sondern noch einmal sacken lassen und mit anderen darüber sprechen. Freunde oder Familie können neuen Input liefern, gerade, wenn Sie sich das erste Mal mit Versicherungen auseinandersetzen und von der Vielfalt verunsichert sind.
Nie Versicherungen mit Sparanteilen kombinieren. Das gilt zum Beispiel für Risikolebensversicherungen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Wer weiß, was einen im Leben erwartet. Im Zweifel ist es wichtig, schnell an Geldreserven heranzukommen - und das kann bei Kombi-Angeboten mitunter schwierig werden.
Alle zwei Jahre sollten Sie Ihren Versicherungsstatus überprüfen und gegebenenfalls aktualisieren, wenn sich Ihr Job oder Einkommen geändert hat oder Familie hinzugekommen ist.