denk mal! WIR MILLIONÄRE
Manche Zahlen sind so irrsinnig groß, dass normale Menschen sie sich gar nicht vorstellen können.
Nehmen wir zum Beispiel die Zahl 1,3 Milliarden. Das ist, man ahnt es, ganz schön viel, aber man muss schon Mathematik oder Astronomie studieren, um damit umgehen zu können. (Wobei die Mathematiker sich eines Tricks bedienen: Alles, was sie nicht mehr an ihren Fingern abzählen können, nennen sie einfach n oder x. Ihr Renommee beruht im Wesentlichen darauf, dass andere Leute sich unter n oder x auch nichts vorstellen können.)
Aber zurück zu den großen Zahlen: 1,3 Milliarden Mark mehr als bisher will die Bundesregierung nach der Bafög-Novelle jährlich ausschütten - auch das eine unvorstellbare Summe.
1,3 Milliarden, das muss man in überschaubare Einheiten herunterrechnen: Man kann davon 100-millionenmal beim Pizzaservice ein Abendessen bestellen - natürlich nur als Rechenbeispiel, niemand lebt so lange, schon gar nicht bei derart ungesunder Ernährung.
Aneinander gereiht ergeben 100 Millionen Pizzen eine Strecke von rund 22 000 Kilometern, was etwas mehr ist als der halbe Erdumfang. Aufeinander gestapelt wären sie höher als das höchste Gebäude der Welt, beides ist immer noch jenseits unseres Vorstellungsvermögens. Aber es klingt verdammt beeindruckend. Danke, liebe Bundesregierung!
Andererseits werden auch nach der Novelle immer noch weniger Studierende staatlich gefördert als vor zehn Jahren. Noch immer müssen etliche neben dem Studium jobben. Beispielsweise als Pizzaboten, wo ihnen ja nun möglicherweise eine goldene Zukunft bevorsteht.
Man kann die Zahl von 1,3 Milliarden aber auch anders herunterrechnen: Pro Student gibt es künftig im Durchschnitt 110 Mark mehr. Das kann man sich auch als Nicht-Mathematiker schon vorstellen, ohne sich eine Reihe aneinander gelegter Pizzen denken zu müssen - die ohnehin gerade mal vom Esstisch zur Spüle reichen dürfte.
110 Mark, das ist heute eine Tankfüllung - es reicht, um einmal zu den Eltern zu fahren und um mehr Geld zu bitten. Was allerdings - unter Hinweis auf den neuen Studentenreichtum - abgelehnt wird. Ansbert Kneip