Fotostrecke: Nah am Wasser gebaut
Architektur am Wasser Alles am Fluss
Wasser ist Leben. Deshalb hat der Mensch schon immer am oder in der Nähe von Wasser gebaut. Zu viel Wasser ist aber auch nicht gut, weshalb menschliche Behausungen auch immer eine Barriere zwischen drinnen und draußen waren. Vor der Tür die Naturgewalten, dahinter kontrollierte Umgebung, hier nass, da trocken.
Im Vergleich zu den Höhlenmenschen haben sich unsere Bedürfnisse enorm verschoben, sodass heutige Bauherren, wenn es um das Thema Wasser geht, sich eigentlich nur noch fragen müssen: an oder gar auf dem Wasser? Der Zugang zu sauberem Wasser kann glücklicherweise an vielen Orten vorausgesetzt werden.
Es ist jedoch ein Trugschluss zu glauben, die architektonische Herausforderung beim Bauen an Gewässern beschränkt sich darauf, zu entscheiden, wie viele Fenster hin zum meditativen Blickfang es denn sein sollen. Wer einen solchen Ausblick genießt, übersieht dabei nämlich häufig ein entscheidendes Detail: Wasser spiegelt.
Für die Planer ist es deshalb gar nicht leicht, ein Gebäude so hinzustellen, dass eben nur die gewünschte Menge Licht ins Haus reflektiert wird - und nicht gleich genügend UV-Strahlen, um eine Vampir-Armee auszulöschen. Auch die Akustik kann Probleme machen. Das weiß jeder, der schon einmal an einem See gezeltet und die Klänge vom anderen Ufer herangetragen bekommen hat.
Fotostrecke: Nah am Wasser gebaut
Gelungene Bauwerke mit Wasserbezug schaffen deshalb eine Balance: die gewünschten Eindrücke wie die Sonnenauf- und -untergänge, aber auch Brisen, Gerüche und Geräusche schaffen es ins Gebäude, der Rest nicht.
Ein Sonderfall sind schwimmende Bauten. Hier kommt zu den eben skizzierten Faktoren auch noch der Widerspruch eines festen Körpers auf einem beweglichen Element hinzu. Die Erbauer Venedigs müssen deshalb als die absoluten Meister der Wasserbauten gelten.
An deren Format kommen die Konstrukteure der 55 Wohnhäuser in dem jüngst bei Phaidon erschienenen Bildband "Am Wasser leben" zwar nicht ganz heran. Große Könner sind sie aber trotzdem. Ihre Projekte bringen Technik, Material, Proportionen, Ausblicke und Umgebung perfekt in Einklang.
Gesammelt hat die Baukunst der Redakteur François-Luc Giraldeau. Auf 271 Seiten, unterteilt in drei Kapitel (Aufs Wasser blickend; Auf Wasser gebaut; Wasser reflektierend) stellt er sie in Wort und Bild vor. Zu jedem Haus gibt es ein kurzes Porträt mit Informationen über den Architekten und die Besonderheiten. Die Texte hätten ruhig ausführlicher ausfallen dürfen, interessant ist die Lektüre aber trotzdem. Und die Bilder sprechen ja ohnehin für sich.