Editorial - DER SPIEGEL
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Editorial

• aus S-Magazin 1/2023

Warum nimmt ein Berliner SPIEGEL-Journalist jedes Jahr Urlaub für das Schützenfest in seinem westfälischen Heimatdorf? »Für den Einzelnen können Rituale Wunder wirken«, schreibt Markus Deggerich (eben jener Journalist) in seinem Essay . Sie seien sinn- und identitätsstiftend und dann am stärksten, »wenn sie überall verstanden werden wie das olympische Feuer«.

Die Internistin Perpetua Walser setzt schamanische Feuerrituale zur Unterstützung von Heilungsprozessen ein und sagt im Interview: »Unsere tiefste Sehnsucht ist es, verbunden zu sein. Am Feuer sind wir das.« Wie und warum wir heute noch Rituale in unseren eigentlich so fragmentierten, auch profanen Alltag einbauen, wie ihre Vertrautheit, ihre Routine uns im Leben Halt geben können – diesen Fragen gehen wir in dieser Ausgabe nach. Man könnte auch sagen: Es geht um das Bedürfnis nach Sicherheit in all den großen und kleinen Krisen, die uns heimsuchen. Denn die Grenzen zum Spirituellen sind bei Ritualen fließend.

Wie sich der Aberglaube etwa in Form von Glückszahlen oder Sternzeichen gerade in Krisenzeiten verstärkt, beschreibt das Modefeature »Der Sinn des Übersinnlichen« . Den Speerwerfer Thomas Röhler und die Freitaucherin Paula Craciun (Titel), die sogar den Atemreflex über ritualisierte Techniken kontrollieren kann, haben wir beim Training begleitet und erlebt, wie die Wiederholung des Immergleichen ihnen Halt gibt . »Meine Routinen geben mir die Chance zu performen«, sagt Röhler, »das Gerüst aus festen Abläufen unterstützt meine mentale Stabilität.«

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