Heider Lender: Warum die Modereporterin nie ihren Kopf zeigt - DER SPIEGEL
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Seltsame Selbstporträts: Und immer ist der Hund dabei

Foto: Heidi Lender

Outfits von Heidi Lender Kopfabwärts

Heidi Lender fotografiert sich mal mit Discokugel, mal mit Gewehr, mal barfuß, mal in Sandalen. Aber warum zeigt die ehemalige Modereporterin über ihren wechselnden Outfits nie ihren Kopf?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bubba gähnt. Bubba steht auf einer Kommode. Bubba liegt in den Armen seiner Besitzerin. Bubba ist der kleine Hund von Heidi Lender. Auf fast jedem Selbstporträt der US-Amerikanerin ist Bubba zu sehen. Er ist jetzt acht Jahre alt. Was nicht auf den Bildern zu sehen ist, ist der Kopf von Heidi Lender. Die Fotografin präsentiert sich in verschiedenen Outfits - immer kopfabwärts.

Der Betrachter sieht sie in einem knielangen Rock mit gelb-weißem Muster oder einem kurzen buntgemusterten Kleid. Mal steht Lender barfuß auf einer Treppe, mal im weißen Sommerkleidchen mit Gewehr in der Hand in einem Wohnmobil. Heidi Lender hat einen schlanken Körper, lange, dunkle Haare, braungebrannte Beine und gepflegte Füße mit lackierten Nägeln. Sie könnte zwischen 20 und 50 Jahren alt sein. Wer diese Frau wirklich ist, das kann der Betrachter nur erahnen.

Heidi Lenders Fotos erinnern an die Arbeiten des britisch-nigerianischen Künstlers Yinka Shonibare, der kopflose Figuren mit bunten afrikanischen Stoffen einkleidet. Ein Werk zeigt zwei Frauen ohne Kopf, die sich gegenseitig zwei Pistolen an den Kopf halten. Doch Lender will mit ihren Fotos nicht erschrecken, sondern zum Nachdenken anregen.

Ihre Fotoserie "Once Upon" handelt von Identität, von "all den verschiedenen Ichs, die wir in der Welt haben", wie sie sagt. Lender glaubt, wenn sie ihr Gesicht nicht zeige, werde der Betrachter nicht von der Person selbst abgelenkt. "Gedanken, Gefühle und Ideen sind so viel freier", sagt sie. "Außerdem kommt etwas Mysteriöses hinzu, das ich sehr faszinierend finde."

Vielleicht achtet der Betrachter so auch mehr auf die Kleidung, die Lender trägt und die verschiedenen Hintergründe, in denen bunte Kissen und Sofas zu sehen sind, gemusterte Tapeten oder naturfarbene Gardinen. Doch verfolgt man Lenders Biografie, dann verwirrt gerade diese Tatsache. Heidi Lender ist nämlich aus der Modebranche ausgestiegen.

Jahrelang hatte sie in den USA als Reporterin gearbeitet, Features und Reportagen über Food und Fashion geschrieben. Mit Mitte 30 hatte sie genug von dieser Welt. Lender zog nach Indien und lernte Yoga. Wenn man sie nach dem Warum fragt, sagt sie: "Es war Zeit, etwas anderes zu machen." Sie mag Mode zwar immer noch und findet, dass die Inneneinrichtung eine gute Möglichkeit ist, sich selbst auszudrücken. Doch wichtig sind ihr all diese Dinge nicht mehr.

Lender lebt inzwischen in Garzon, einem Dorf in Uruguay. Hier fotografiert sie nun Landschaften. Auf den Bildern präsentiert sie brüchige Holzhäuser, Bergseen, Wälder und Weiten. Weit weg von Laufstegen und Models.

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