Iris Apfel, 101 - Nachruf - DER SPIEGEL
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Gestorben Iris Apfel, 101

• aus SPIEGEL Chronik 1/2024
Foto:

Gunnar Knechtel / laif

Lange bevor Museen ihren Outfits eigene Ausstellungen widmeten, lange bevor sie selbst für sich das Label »geriatrisches Starlet« erfand, lange bevor in den sozialen Netzwerken Bilder ihrer exzentrischen Outfits viral gingen, lange also bevor Iris Apfel zu einer der größten Mode-Ikonen unserer Zeit geworden war, hätte man schon ahnen können, wie ernst es ihr war mit der Mode: Sie selbst beschrieb, wie sie als Kind in den Ferien einmal so laut schrie, dass mehrere Urlaubsgäste in ihr Zimmer stürzten, um nachzusehen, was Schlimmes passiert war. War etwas Schlimmes passiert? Kommt drauf an, wie man es sieht – ihre Mutter hatte eine Haarschleife ausgewählt, die farblich nicht zum Rest von Iris’ Outfit passte. Im Nachhinein – schrieb Apfel weiter – hatte ihre Mutter natürlich recht. Outfits, bei denen alles zusammenpasst, seien tatsächlich furchtbar. Das ist einer der Grundsätze, die Apfel gelernt hat und die die Welt nun wiederum von ihr lernen kann. Ein weiterer: Es sind die Accessoires, die ein Outfit ausmachen. Der wichtigste lautet schließlich: Man darf nicht nur anziehen, was man will. Man darf sein, wie man will. Originell. Humorvoll. Den Konventionen trotzend. Alle drei Grundsätze beherzigte Apfel wie keine andere. Nun sind sie zu einer Art Nachlass geworden.

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