John Lobb: Die Schuhmacher der Könige - DER SPIEGEL
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John Lobb: Blieb bei seinen Leisten

Foto: Horst A. Friedrichs

Stil-Klassiker: British Chic Die Schuhmacher der Könige

Handgenähte Schuhe halten ewig - müssen sie auch, bei einem Preis von 5000 Euro. John Lobbs Kunden sind solche Preise gewohnt. Im Gegenzug erfüllt ihnen der Schuhmacher auch jeden Wunsch.
Von Eva Lindner
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nicholas Lobb, eigentlich von Beruf Anwalt, ist erst vor zwei Jahren in die Branche der Schuhmacher eingestiegen. Aber den wichtigsten Grundsatz des über 150 Jahre alten Geschäfts seiner Familie hat er bereits verinnerlicht: "Wir versuchen, unseren Kunden jeden Wunsch zu erfüllen." Sneakers? Auch die, wenn es sein muss.

Wer sich bei den Meisterschneidern von Lobb Schuhe handfertigen lässt, sollte nicht wankelmütig sein. Von der Bestellung bis zum Abholen vergehen nämlich mindestens sechs Monate, in denen der Kunde im besten Fall seinen Geschmack nicht mehr ändert: Denn nicht nur der Schuh sitzt am Ende, sondern auch der Preis. Etwa 5000 Euro kostet ein maßgeschneidertes Paar aus feinem Leder in dem Londoner Laden in der Nähe des St James's Square. Wer es exotischer liebt und ein Paar aus Krokodilleder will, muss knapp dreimal soviel über die Tresen schieben.

Für die Stammkundschaft von Lobb ist das nicht der Rede wert. Die Schuhmanufaktur beliefert schließlich den Prince of Wales und Herzog von Edinburgh, Prinz Philipp. Bis heute ruhen Tausende hölzerne Leisten im Geschäft. Auch die von Queen Victoria, Queen Elizabeth, Frank Sinatra und Dean Martin.

"Wenn mein Großvater heute durch die Ladentür käme, würde er alles wiedererkennen. Es hat sich kaum etwas verändert, außer dass wir heute Computer benutzen", sagt der 42 Jahre alte Nicholas Lobb, der nun in der fünften Generation das Geschäft führt. Tradition, Kontinuität und Liebe zum Detail scheinen der Garant für das Überleben der Manufaktur zu sein.

John Lobb schickte dem Prinzen ungefragt Stiefel

Im Gegensatz zu einem Fabrikschuh, der in Minuten gefertigt wird, sind es bei Lobb 190 Schritte, bis die Schuhe oder Stiefel von Hand geschustert sind. Mindestens fünf Meister werkeln an einem Paar: der "fitter", der individuell Maß nimmt, der "last-maker", der ein exaktes Modell aus Ahorn oder Buche schnitzt, der "pattern-cutter", der das gewünschte Muster schneidet, der "clicker", der die acht Lederstücke für die Oberseite des Schuhs anpasst und der "maker", der sie mit der Sohle zusammensetzt.

Lobb beschäftigt darüber hinaus eigene Schuhputzer, die das Meisterwerk am Ende auf Hochglanz bringen - egal ob Reitstiefel, Sandale oder Pumps.

Als John Lobb Mitte des 19. Jahrhunderts seinen ersten Schuh nähte, musste er noch alle Schritte alleine bewältigen. Eigentlich sollte der Farmersohn aus Cornwall in die Fußstapfen seiner Eltern treten, doch als er sich ein Bein brach, war an Arbeit auf dem Feld nicht mehr zu denken. In London lernte er das Handwerk des Schuhmachers, wanderte nach Australien aus und verkaufte dort erfolgreich Stiefel mit hohen Absätzen, in denen die Goldsucher ihre Nuggets aufbewahren konnten.

Filialen in Asien, Mailand und New York

Als er durch einen Zufall die Maße des damaligen Prinzen von Wales herausfand, nähte er ein Paar Reitstiefel und schickte sie unaufgefordert an den Englischen Hof. Der Prinz war so begeistert von den Schuhen, dass er Lobb zum Hoflieferanten ernannte, noch bevor er 1866 zurück in die Heimat kam.

Die Schuhmacher von Lobb haben weiter Maß genommen, in der Wirtschaftskrise der Dreißigerjahre, als die Nazis während "The Blitz" Bomben auf London warfen und das Schuhgeschäft sechsmal trafen, und auch als in den Siebziger- und Achtzigerjahren Schuhe am Band produziert und in Massen in den großen Kaufhäusern ausgestellt wurden. Heute hat die Lobb-Familie Filialen in Asien, im Nahen Osten und natürlich in New York, Paris und Mailand eröffnet.

Wenn man Nicholas Lobb fragt, warum sich Kunden heute anstelle eines Kaufhausmodells für Tausende von Euro Schuhe bei Lobb bestellen, fragt er selbstsicher zurück: "Jeder, der es sich leisten kann, will sich doch handgemachte Schuhe fertigen lassen, die ein Leben lang halten, oder etwa nicht?"

Im Oktober gehen die Londoner Schuhmacher auf Deutschland-Tour. Dann messen sie in Berlin, München, Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt die Füße der Geschäftsmänner, Künstler und betuchten Damen aus. Wer spezielle Wünsche hat, kann ja mal bei den Meistern vorsprechen.

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