Sanierter Bauernhof in Italien: Alte Schale, neuer Kern - DER SPIEGEL
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Fotostrecke: Bauen auf dem Bauernhof

Foto: Kristian Septimius Krogh

Sanierter Bauernhof in Italien Alte Schale, neuer Kern

Ein Erdbeben hat dieses Bauernhaus in Umbrien schwer beschädigt - vermutlich das Beste, das dem Gehöft passieren konnte. Denn eine Architektin hat das Anwesen modernisiert. Neidfaktor: sehr hoch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

2003 erhielt die italienische Architektin Pia Karin Spreafico den Auftrag, ein altes Bauernhaus herzurichten. Das Gebäude war 1984 bei einem Erdbeben schwer beschädigt worden, ein Abriss kam aber nicht in Frage. Also entschieden die Architektin und die Besitzer Folgendes: Die Querseiten der Gebäudehülle bleiben stehen. Der Rest kommt weg und schafft Platz für einen Neubau. So entstand quasi ein Haus im Haus.

Die Fassade verlängerte Pia Karin Spreafico an der Vorder- und Rückseite nach links und nach rechts. Dadurch wurden zu beiden Seiten kleine Höfe abgegrenzt. Der eine führt zu zwei Gästeapartments, der andere öffnet sich in den großen Garten und rahmt mit seinen Mauern die Landschaft. Auf dieser Seite ist auch das Wohnzimmer mit fünfeinhalb Meter hohen Decken und den großen Glasfenstern untergebracht.

Das Schlafzimmer liegt im ersten Stock, oberhalb des Wohnzimmers, abgetrennt durch Milchglasfenster. Auf der gegenüberliegenden Seite sind zwei weitere Zimmer und ein Bad. Hinauf gelangt man über zwei Treppenhäuser, die auf beiden Seiten zwischen der ursprünglichen und der neuen Hausmauer verlaufen.

Die Küche ist im Erdgeschoss, rückseitig vom Wohnzimmer. Der Raum erstreckt sich über die komplette Längsseite und hat Platz für zwei große Esstische. Aus der Küche haben die Bewohner Zutritt zu den Gästehäusern. Außerdem führt von hier ein Weg zum Swimmingpool und in den angrenzenden Wald.

Für das gesamte Projekt verwendete Pia Karin Spreafico natürliche Materialien: Steine und Kalkputz für die Wände, Holz für die Fenster, Böden und Decken. Im Juni 2016, nach 13 Jahren Arbeit, konnte die Architektin das Haus übergeben - erdbebensicher, damit ihm ein Schicksal wie 1984 künftig erspart bleibt.

In unserer Artikelserie "Die Heimsuchung" stellen wir Ihnen in loser Folge außergewöhnliche Immobilien vor, die zum Verkauf stehen, gerade gebaut oder geplant werden oder die einfach nicht von dieser Welt sind. Heute empfehlen wir Ihnen in unserem Steckbrief: Casale Mongibello.

Fotostrecke

Fotostrecke: Bauen auf dem Bauernhof

Foto: Kristian Septimius Krogh

Lage: Gualdo Tadino, Italien.

Zimmerzahl: Drei Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche und zwei Bäder.

Garten: Wer hier wohnt, braucht keinen Garten. Das Grundstück grenzt an ein Waldgebiet. Außerdem gibt es zwei Innenhöfe.

Extras: Zwei kleine Gästehäuser, jeweils mit eigenem Bad. Swimmingpool.

Stilfaktor: Die Architektin hat es geschafft, dem alten Bauernhaus sein Flair zu lassen und gleichzeitig moderne Komponenten hinzuzufügen. Die glatt gespachtelten Wände sehen sehr modern aus. Die Holzbalken an der Decke und die Parkettböden sind authentisch rustikal.

Neidfaktor: Sehr hoch. Dieses Haus ist zu schick, um es nur als Ferienhaus zu nutzen.

Unbedingt mitbringen: Grabungswerkzeug. In der Gegend bekriegten sich angeblich im Jahr 552 das oströmische Heer und die Ostgoten. Davor sind auch Hannibals Truppen und Julius Caesar hier gewesen.

Nachbarn: Nicht sehr viele. Die Stadt zählte am 31. Dezember 2016 nur 15.073 Einwohner.

Unterhalt: Ab und zu vielleicht ein wenig Feuerholz, aber das kann auch im Wald geschlagen werden. Die Winter hier sind mild, die Sommer heiß.

Weitere Infos: Mehr erfahren Sie in unserer Bildergalerie oder auf der Webseite von Pia Karin Spreafico .

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